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Aus der Welt der feministischen SF&F
In dieser Rubrik werden Nachrichten "aus
der Welt der feministischen SF" verbreitet. In der Regel sind das Nachrichten
über Werke und AutorInnen, die auf dieser Website gelistet sind.
Die Rubrik ist kein Nachrichtendienst für SF im allgemeinen.
Gute Anlaufstellen für Nachrichten aus der SF-Szene sind z.B. die
Website SF-Fan.de
von Florian Breitsameter oder Locus Online.
Preise, Preise, Preise (und Nominierungen) Dies ist die Zeit des Jahres, in der die Nominierungslisten für viele Preise bekanntgegeben werden sowie in einigen Fällen bereits die Gewinner. Da dies kein allgemeiner SF-Informationsdienst ist, werde ich hier nicht alle Gewinner und Nominierungslisten veröffentlichen. Statt dessen werde ich einige "Highlights" (aus Sicht der Website-Interessenlage) aufführen und Online-Quellen für die vollständigen Listen - soweit vorhanden - angeben.
Der Hugo wird auch in der Kategorie "Related Book" vergeben. Dafür nominiert sind dieses Jahr u.a. The Battle of the Sexes in Science Fiction von Justine Larbalestier (siehe Kurzvorstellung zum Buch unter FSF&F-News vom 30.12.2002) und Better to Have Loved: The Life of Judith Merril von Judith Merril & Emily Pohl-Weary (siehe Kurzvorstellung zum Buch unter FSF&F-News vom 15.6.2002). Larbalestiers Werk ist ein vielgelobter Versuch, eine historische Darstellung der Frauen und des Feminismus in der SF zu schreiben. Bei Better to Have Loved handelt es sich um die Memoiren der SF-Autorin und -Herausgeberin Judith Merril, die sie vor ihrem Tod nicht mehr vollenden konnte und die von ihrer Enkelin Emily Pohl-Weary herausgegeben wurden. Die Gewinner der Hugos werden bei der World Science Fiction Convention (WSFC) vom 28.8.-1.9.2003 in Toronto bekanntgegeben. Der Roman The Mount (halb Allegorie, halb Sciencefiction) von Carol Emshwiller wurde mit dem Philip K. Dick-Preis ausgezeichnet, der für das beste SF-Werk, das zuerst als Taschenbuchausgabe erschienen ist, vergeben wird. Emshwiller hat letztes Jahr mit ihren praktisch gleichzeitig erschienen Büchern The Mount und Report to the Men's Club (einer Sammlung ihrer Erzählungen aus dreißig Jahren) großes Aufsehen erregt - zumindest bei jenen, die eher an "literarischer" SF interessiert sind (siehe Zusammenfassung eines Interviews mit Emshwiller unter FSF&F-News vom 13.10.2003). James Sallis schreibt über sie in einer Besprechung für Fantasy&Science Fiction: 'Though she’s one of the finest and most original writers in the United States, outside the genre Carol remains spottily known. [The] adjective, original, may be the tip-off — the tell, as gamblers say. Her work is undefinable. She’s a feminist writer who adores men, a literary artist who often prefers to work in or springboard off fantastic literature, an experimentalist anchored firmly to plot and character interaction. So, while near-universal acclaim showers down on the like of T. C. Boyle, Toni Morrison, or newcomer Zadie Smith, Carol’s forever slipping past the border guards, under the radar, into new territory.' Carol Emshwiller wurde dieses Jahr zudem für ihre Kurzgeschichte 'Creature' mit dem Nebula Award ausgezeichnet. Auch Ted Chiang hat (wieder einmal) den Nebula Award erhalten, diesmal für die Novellette 'Hell Is the Absence of God'. Und China Miéville macht mit seinem neuem Roman, The Scar, der in der gleichen Welt wie Perdido Street Station angesiedelt ist, wieder von sich reden. The Scar ist (bzw. war) praktisch für alle wichtigen Preise nominiert:
Der diesjährige Tiptree-Gewinner, Light von M. John Harrison, war ebenfalls für den BSFA Award nominiert und ist noch ein Kandidat für den Arthur C. Clarke Award. Der Roman ist zuerst in Großbritannien erschienen und war daher dieses Jahr weder für Hugo noch Nebula zugelassen. Es ist zu erwarten, dass Light nächstes Jahr auch auf diesen Nominierungslisten erscheinen wird. Weitere aus der Sicht dieser Website erwähnenswerten Auszeichnungen und Nominierungen:
Yarbro erhält 2003 World Horror Convention Grand Master Award
Tiptree 2002 vergeben
'Stories for Men' von John Kessel (Online lesen ). Harrison und Kessel werden beide jeweils $1000 sowie ein Originalkunstwerk, das speziell für den Tiptree geschaffen wurde, erhalten. Der Preis wird dieses Jahr beim Seacon übergeben, der vom 18.-21. April in Hinckley, Leicestershire, Großbritannien statt findet. Der Tiptree Award wurde 1991 ins Leben gerufen. Mit ihm sollen Werke ausgezeichnet werden, die die Geschlechterrollen in Sciencefiction und Fantasy untersuchen und erweitern. Die Organisatorinnen betonen, dass es ihnen nicht um Werke geht, die einer engen Definition politischer Korrektheit entsprechen, sondern um Werke, die Gedankenanstöße geben, einfallsreich sind und eventuell wütend machen. Der Tiptree soll eine Auszeichnung sein, die Frauen und Männer auszeichnet, die mutig genug sind, über Veränderungen der Geschlechterrollen nachzudenken, die zu den grundlegenden Aspekten jeder Gesellschaft gehören. Jedes Jahr wird eine fünfköpfige Jury bestimmt, den Tiptree Award auszuwählen. Die Jury für 2002 bestand aus Matt Austern (Vorsitzender), Farah Mendelsohn, Jae Leslie Adams, Mary Anne Mohanraj and Molly Gloss. Die Jury bezeichnete Light von M. John Harrison als überwältigendes Werk, das teils Space Opera und teils "Etwas Anderes" ist. Einige der Jurymitglieder hielten die ProtagonistInnen (einen Physiker und Serienkiller, einen Massenmörder-Piraten, einen VR-Abhängigen) für unwahrscheinlich, andere fanden die ProtagonistInnen brutal, grausam, sich selbst etwas vormachend, jedoch völlig reale Menschen, deren Schicksal die JurorInnen stark berührte. Alle Charaktere seien jeweils so gestaltet, dass sie sich spezifisch auf die Struktur der Geschlechterrollen beziehen. Die männlichen Charaktere seien verliebt in eine protzige Männlichkeit, die manchmal schön und manchmal schrecklich sei. Die weiblichen Charaktere würden ihre Körper und ihre Weiblichkeit oft völlig leugnen. Über dem Ganzen steht die geheimnisvolle Figur des Shrander, deren Geschlechtsidentität unklar und kompliziert bleibt. 'Stories for Men' von John Kessel ist eine Geschichte über Männlichkeit, darüber wie Individuen sich selbst im Kontext von Verwandtschaft und Gemeinschaft definieren und darüber, wie wir Geschlechterrollen konstruieren, indem wir uns Geschichten erzählen. Die Geschichte beginnt mit einer frauenzentrierten Gesellschaft, die unsere Annahmen über die soziale Macht von Männern und Frauen spiegelverkehrt widergibt, und bezieht sich dann explizit auf unsere eigenen gesellschaftlichen Annahmen (indem der wichtigste Charakter auf eine Anthologie des 20. Jahrhunderts stößt) und zwar so, dass diese Annahmen neu- und fremdartig anmuten. Die Geschichte wirft einen neuen Blick auf die Geschichten von Außenseitern und einsamen Helden und männlichem Individualismus innerhalb des Kontexts der Geschichte einer Gemeinschaft. Sie wirft Fragen über die Verbindungen zwischen Verbundenheit und Ausschluß, Konsens und einengender Konformität, patriarchalem Beschützerinstinkten und dem Verhalten von Soziopathen auf. Die Jury setzte die folgenden Werke auf die diesjährige Short List, die nicht mit der Liste der Nominierungen verwechselt werden sollte. Statt dessen sind dies jene Werke, die aus Sicht der Jury interessant, Tiptree-relevant und bemerkenswert sind:
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