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Aus der Welt der feministischen SF&F (Vor 14.10.2002)

In dieser Rubrik werden Nachrichten "aus der Welt der feministischen SF" verbreitet. In der Regel sind das Nachrichten über Werke und AutorInnen, die auf dieser Website gelistet sind. Die Rubrik ist kein Nachrichtendienst für SF im allgemeinen. Gute Anlaufstellen für Nachrichten aus der SF-Szene sind z.B. die Website SF-Fan.de von Florian Breitsameter oder Locus Online.

Schlagzeilen

Carol Emshwiller zu ihrem neuen Roman, The Mount, interviewt
Von Carol Emshwiller erschienen kürzlich sowohl ein neuer Sciencefiction-Roman, The Mount, als auch eine Erzählsammlung mit Geschichten aus mehreren Jahrzehnten, Report to the Men's Club, beides in dem kleinen Verlag Small Beer. Aus diesem Anlass erschienen im Online-Magazin Fantastic Metropolis ein Interview mit Carol Emshwiller sowie drei Essays von ihr über das Schreiben. The Mount handelt von zwei symbiotisch (?) zusammenlebenden intelligenten Spezies, bei denen die eine (die 'Hoots') auf dem Rücken der anderen reitet (die 'Mounts'). Angesprochen auf den im allgemeinen starken feministischen Gehalt ihrer Erzählungen wies Emshwiller die Interpretation des Interviewers zurück, dass die Hoots die Dominanz der Männer und die Mounts die unterdrückten Frauen darstellen. Sie hätte auch nicht die Rassenbeziehungen zeigen wollen. Für sie stünden die Mounts für jegliche unterdrückte Gruppe.
'Report to the Men's Club', die Titelgeschichte der Erzählsammlung, ist eine mehr als 15 Jahre alte Geschichte, in der eine Frau (eine ehemalige Frau?) eine Rede vor einer Männerorganisation hält. Emshwiller erzählt, dass, als ihr Mann Ed, ein Filmemacher und SF-Grafiker, noch lebte, sie oft frustriert war, weil er sie im Haushalt und bei der Versorgung der drei Kinder nicht unterstützte. Aus seiner Sicht war seine Arbeit wichtiger als ihre, weil sie höher bezahlt war. Doch seit seinem Tod habe sie diesen Antrieb des Schreibens verloren. Aus ihrer Sicht hätte sie über den Kampf der Geschlechter geschrieben, nicht einfach über "Feminismus". Sie wollte sich über Männer und Frauen lustig machen.
Emshwiller veröffentlichte ihre erste SF-Kurzgeschichte 1955. 1988 erschien ihr erster Roman, Carmen Dog, in dem sich alle Frauen in Tiere und alle Tiere in Frauen verwandeln und der für den rückwirkenden James Tiptree Award nominiert wurde.
Q: Fantastic Metropolis 11.9.2002 (13.10.2002)

Maureen McHugh will mit Nekropolis verklärende Sicht von Opfern aufbrechen
In einem Strange Horizon-Interview sagte Maureen McHugh kürzlich, dass wir ihrer Ansicht nach in einer Kultur leben, die dazu tendiert, Außenseiter als moralisch privilegiert zu sehen. Zum Beispiel würden Schwule in den Medien - wenn man von einigen reaktionären Sendungen absieht - gerne als witzig, weise dargestellt oder sie stürben. Wenn Charaktere marginalisiert würden, würden sie oft zu Märtyrern oder Yodas gemacht. Opfersein würde mit Heiligkeit gleichgesetzt. In ihrem Roman Nekropolis wollte sie darstellen, dass Opfer nicht notwendigerweise Heilige seien. Die Protagonistin Hariba sollte keine gute Person sein, weil sie in beschränkten Umständen lebt. McHugh wollte zeigen, wie beschränkte Umstände einen einfach nur beschränken.
McHugh wurde 1992 mit ihrem ersten Roman China Mountain Zhang (dts. ABC Zhang) bekannt, der mehrfach ausgezeichnet wurde.
Q: Strange Horizon 9.9.2002 (13.10.2002)

Gaylactic Spectrum Award geht an Hugh Nissensons The Song of the Earth
Am 1. September wurden die Gaylactic Spectrum Awards für Science Fiction, Fantasy und Horror vergeben, die schwule, lesbische, bisexuelle oder transsexuelle Charactere und Themen in positiver Weise darstellt und untersucht. In der Kategorie Roman wurde The Song of the Earth von Hugh Nissenson ausgezeichnet, der auch für den Tiptree Award nominiert war. Der diesjährige Tiptree-Gewinner, The Kappa Child von Hiromi Goto, war ebenfalls für den Gaylactic Spectrum Award nominiert.
'Kindred' von Alexis Glynn Latner wurde in der Kategorie Erzählung ausgezeichnet und Bending the Landscape: Horror, hrsg. von Nicola Griffith und Stephen Pagel, in der Kategorie "Weitere Werke".
In die Hall of Fame des Gaylactic Spectrum Awards wurden vier weitere Werke aufgenommen:

Q: Gaylactic Spectrum Award Website (13.10.2002)

Tiptree der mit Abstand subversivste Preis in der SF
In einem Übersichtsartikel zu den Literaturpreisen im SF-Genre bezeichnete Greg Beatty den Tiptree Award, der für Sciencefiction/Fantasy vergeben wird, die am besten Geschlechterrollen untersucht oder erweitert, als den mit Abstand subversivsten Preis in der Sciencefiction. Dies fängt mit dem Namen des Preises an (James Tiptree Jr. war das Pseudonym einer Psychologin, die erst im Alter anfing zu publizieren) und setzt sich bei der Finanzierung des Preisgeldes über Kuchenverkäufe fort. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Jury die Vergabekriterien jeweils diskutiert und dies auch nach außen kommuniziert!
Beattys Ansicht nach ist der Tiptree der vielleicht literarischste SF-Preis sowie der, der am ehesten Werke berücksichtigt, die nicht zur "traditionellen" SF gehören. In der Tendenz sind die ausgezeichneten Werke stylistisch experimenteller und besser geschrieben als die mit den älteren Preisen (z.B. Hugo, Nebula) bedachten Werken.
Q: Greg Beatty in Strange Horizon 7.6.2002 (21.6.2002)

Out of this World 2-Kongress in Bremen
Vom 31.5.-2.6.2002 (Fronleichnam) fand in Bremen der zweite Out of this World-Kongress statt. Wie Marcus Hammerschmidt in Telepolis berichtete, nahmen fast 100 Leute daran teil. Im Rahmen von drei Workshops wurde über Science-Fiction und alternative Ökonomie, Science-Fiction und gesellschaftliche Utopien sowie "Space Women", d.h. die Darstellung von Frauen in der SF, diskutiert.
Weitere Infos zum Kongress
Q: Bericht Marcus Hammerschmidt in Telepolis 4.6.2002, Out of this World 2 (14.6.2002)

Samuel R. Delany in Science Fiction and Fantasy Hall of Fame aufgenommen
Ende Mai wurden die 2002 Neuzugänge zur Science Fiction and Fantasy Hall of Fame bekanntgegeben, zu denen neben James Blish, Donald Wollheim und Michael Moorcock auch Samuel R. Delany gehört. Die Science Fiction and Fantasy Hall of Fame wurde 1996 von dem J. Wayne und Elsie M. Gunn Center for the Study of Science Fiction (an der University of Kansas) und der Kansas City Science Fiction and Fantasy Society ins Leben gerufen.
Q: Locus Online 30.5.2002 (14.6.2002)

Gwyneth Jones gewinnt Arthur C. Clarke Award
Gwyneth Jones erhielt für Bold As Love den diesjährigen Arthur C. Clarke Award, der für den besten Sciencefiction-Roman vergeben wird, der im Vorjahr in Großbritannien veröffentlicht wurde. Der Preis besteht aus einer Buchstütze und einem Scheck über 2002 Pfund. Von der Preis-Organisation wurde Bold as Love als Roman beschrieben, "der die Legende von König Arthur in die Welt der Technologie des 21. Jahrhunderts, der Klimaänderung und der Pop-Gegenkultur bringt. Das Ergebnis ist [...] ein leidenschaftlicher Appell für Einfallskraft in der Politik."
Q: Locus Online 19.5.2002 (14.6.2002)

Judith Merrils Memoiren erschienen
Judith Merril (1923-1997) hat die Sciencefiction entscheidend geprägt. Ihre erste Erzählung, 'That Only a Mother', erschien 1948, gefolgt von etlichen Erzählungen und Romanen. Damit war sie eine der wenigen SF-Autorinnen dieser Zeit. Zwischen 1956 und 1970 gab Merril zudem 14 Anthologien mit der besten SF des vergangenen Jahres heraus und drückte damit der SF ihren Stempel auf. Judith Merril wählte eher ungewöhnliche Erzählungen aus, oftmals von außerhalb des eigentlichen SF-Genres, womit sie entscheidend dazu beitrug, die Grenzen des Genres zu erweitern. In ihren Anthologien und in ihrer Rezensionskolumne in The Magazine of Fantasy and Science Fiction trat sie dafür ein, den Begriff "Science Fiction" durch "Speculative Fiction" zu ersetzen. Sie war die erste amerikanische SF-Professionelle, die die aus Großbritannien kommende New Wave förderte. 1985 gab sie die erste repräsentative Anthologie kanadischer SF heraus und wurde so zur "Godmother" der kanadischen SF.
Merril führte ein farbiges Leben. Sie war eine radikale Frau, die ihrer Zeit voraus war. Spider Robinson beschreibt sie als Frau, die "eine politisch Radikale [war], bevor McCarthy gewählt wurde, eine Zionistin, bevor es Israel gab, eine Feministin lange vor dem Feminismus, eine Pazifistin zwei Kriege vor Vietnam, eine Umweltaktivistin bevor der Begriff 'Ökologie' existierte und eine sexuell befreite Frau, bevor dieser höfliche Ausdruck dafür geprägt wurde."
Judith Merril arbeitete die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens an ihren Memoiren, schloss sie aber vor ihrem Tod nicht mehr ab. Ihre Enkelin Emily Pohl-Weary ordnete und ergänzte die Fragmente, und das Ergebnis erschien nun unter dem Titel Better To Have Loved: The Life of Judith Merril (Between the Lines, ISBN 1896357571). Im wesentlichen besteht das Werk aus einer Sammlung von Essays und privaten Briefen mit eingestreuten Teilen eines ersten Entwurfs einer Autobiographie. Robinson betont, dass Pohl-Weary aus dem Durcheinander von Kassettenaufnahmen, Unterlagen, seltenen Fotos und ausführlichen, rechthaberischen Anleitungen eine klare, zutreffende und ausgewogene Darstellung dieser bemerkenswerten Frau gemacht hat. Merril würde darin genau so dargestellt wie sie war: "stur wie ein Pit-Bull, aufreizend wie ein Zweijähriger mit einem Doktortitel und chronisch pessimistisch".
"The most shocking part for me in the autobiography was how Judith felt being sexually intimate made intellectual dialogue easier for her. Coming from a later generation, intellectual conversation with men seems to be a whole lot freer than it used to be, although perhaps my naivete is glaring brilliantly." (Asta Sinusas)
"Here, a few years late - for she died in 1997 - is the book we were expecting, which is not to say that here is the book we wanted. What we wanted was the complete memoirs of Judith Merril; we wanted in, we wanted into 1945, when the world and SF were young, and small enough to look at, and so was the illustrated future. We wanted her to tell us how it was then, how it really was, when SF was family." (John Clute)
Q: Clute, Nicholls (Hrsg.) (1995), Spider Robinson 18.5.2002, John Clute 20.5.2002, Asta Sinusas Mai 2002 (15.6.2002)

Lisa Barnett und Melissa Scott gewinnen Lambda Literary Award
Am 2. Mai wurden in New York die diesjährigen Lambda Literary Awards für schwule und lesbische Literatur in 20 Kategorien vergeben. Der Lambda für Science Fiction und Fantasy ging an Lisa A. Barnett und Melissa Scott für ihren Roman Point of Dreams.
Die Lambda Literary Awards werden alljährlich von der Lambda Literary Foundation vergeben, deren Ziel die Anerkennung und Förderung von schwuler und lesbischer Literatur ist.
Q: Presseerklärung Lambda Literary Award Website 2.5.2002 (14.6.2002)

Cakan und Felten für Deutschen Phantastik-Preis nominiert
Die Romane Downtown Blues von Myra Cakan und Elfenfeuer von Monika Felten sind für den Deutschen Phantastik-Preis nominiert. Der Preis wird vom Online-Magazin phantastik.de vergeben. Bis zum 30. September kann online über die Vergabe abgestimmt werden.
Q: Phantastik.de (14.6.2002)

Asaro und Link mit Nebula ausgezeichnet
Catherine Asaros Roman The Quantum Rose und Kelly Links Novelette "Louise's Ghost" wurden mit dem Nebula Award der Science Fiction and Fantasy Writers Association (SFWA) ausgezeichnet. Ebenfalls ausgezeichnet wurde der Film Crouching Tiger, Hidden Dragon.
Q: SFWA 27.4.2002 (14.6.2002)

2001 Tiptree Award vergeben
Am 14. April 2002 gab die Organisation des Tiptree Awards bekannt, wer den 2001 Tiptree Award gewonnen hat:
Hiromi Goto für den Roman The Kappa Child, der dem so genannten magischen Realismus zugeordnet wird.
Das Preisgeld beträgt 1000 US-$. Außerdem erhät die Preisträgerin ein Originalkunstwerk von Kandis Elliot.
Der Preis wurde 1991 von Karen Joy Fowler und Pat Murphy ins Leben gerufen und wird seitdem jedes Jahr für das Sciencefiction- oder Fantasy-Werk vergeben, das am besten Geschlechterrollen untersucht oder erweitert. Dabei ist es nicht das Ziel der Organisatorinnen, nach Werken zu suchen, die in eine enge Definition politischer Korrektheit passen. Statt dessen sollen Werke identifiziert werden, die nachdenklich stimmen, einfallsreich sind und vielleicht sogar wütend machten. Der Tiptree soll jene Frauen und Männer auszeichnen, die kühn genug sind, über Veränderungen der Geschlechterrollen nachzudenken, die zu den grundlegenden Aspekten jeder Gesellschaft gehören.
Im Unterschied zu vielen anderen SF-Preisen wird vor der Vergabe keine Nominierungsliste herausgegeben. Die Organisatorinnen wollen vermeiden, dass künstliche "Verlierer" erzeugt werden. Statt dessen werden nach der Preisvergabe Short Lists (manchmal auch Long Lists) von Werken veröffentlicht, die nach Ansicht der Jury im Hinblick auf "gender-bending" empfehlenswert sind. Dazu zählt die diesjährige Jury aus Joan Haran (Vorsitz), Ama Patterson, Peter Halasz, Kathleen Goonan und Suzy McKee Charnas die folgende Romane:

Q: Presseerklärung Tiptree Website 14.4.2002 (14.6.2002)

Marge Piercys Autobiographie erschienen
In Deutschland ist die US-Amerikanerin Marge Piercy v.a. für ihre Romane - insbesondere Frau am Abgrund der Zeit, Er, Sie und Es und Menschen im Krieg - bekannt, in den USA haben auch ihre Gedichte einen starken Eindruck hinterlassen. Ihre im Januar erschienene Autobiographie Sleeping with Cats (Morrow, ISBN 0066211158) sind die offenen, manchmal schockierenden, doch nie langweilenden Memoiren einer 65-jährigen Frau, die die Gelegenheit ergriffen hat, zu "reflect, reexamine, make amends and corrections - a sort of High Holidays of the soul in which I judge what I've done and left undone".
Piercy kommt aus einer Arbeiterfamilie, in der Mutter und Vater ständig im Clinch lagen. Mit 12 Jahren wird Piercy teil einer Straßengang und schon bald darauf sexual aktiv. Mit 15 kommt der Wendepunkt ihres Lebens: ihre beste Freundin stirbt an einer Heroinüberdosis, ihre geliebte jüdische Großmutter stirbt an Magenkrebs und ihre Katze wird von Nachbarn vergiftet, die sich an ihrer Familie rächen wollen, weil sie ihr Haus an eine Schwarze Familie verkauft hat. Jahre später wird ihr klar, dass ihre militanten Gefühle gegen Rassismus ihre Wurzeln in dem Mord an dieser Katze hat.
Piercy begann, sich in der Schule zu engagieren, studierte Shakespeare, las immer und immer wieder Faulkner und begann zu schreiben. Sie erarbeitete sich ein Stipendium für die University of Michigan in Ann Arbor. Ihre erste Heirat mit einem französischen Physiker, der von ihr erwartete, die klassische Hausfrau zu spielen, war eine Katastrophe. Mit ihrem zweiten Ehemann bereiste sie in den sechziger Jahren das Land. Die Anti-Kriegsbewegung politisierte sie. Die frühe Frauenbewegung zeigte ihr neue Möglichkeiten. Doch wurde sie in dieser Zeit auch durch den Wunsch ihres Mannes verunsichert, eine offene Ehe zu führen. Sehr ehrlich beschreibt sie die Zeit der Partnerwechsel als Zeit der bisexuellen Entdeckungen, schwindelerregender Hochs und tränenreicher Tiefs, was - wie eine Rezensentin schreibt - nicht immer leicht zu lesen ist. Die Unsicherheit nahm ihr letztendlich die Energie zum Schreiben. Ihr Mann und sie ziehen nach Cape Cod. Dort, Anfang der siebziger Jahre, setzte sie neue Prioritäten: "One of the things I chose explicitly was to put my writing first. Everything else in my life waxed and waned, but writing, I discovered during my restructuring, was my real core. Not any relationship. Not any love. Not any person." Die letzten Kapitel ihrer Memoiren behandeln ihre glückliche dritte Ehe mit einem viel jüngeren Mann.
Und die Katzen: sie sind eine Konstante ihres Lebens. "My life has a spine of cats", sagt Piercy. Entsprechend sind sie das emotionale Zentrum der Autobiographie.
Piercy endet ihre Autobiographie damit, dass sie vielleicht als Autorin besser war als als Mensch, aber so sei es. Es sei ihre Entscheidung gewesen und sie bedauere nichts.
Q: Sharon Gibson 18.1.2002, Sue Harrison 31.1.2002, Pat H. Broeske in BookPage, Naomi Glauberman 10.3.2002, Betsy Kline 21.4.2002

China Miéville: 50 SF-Werke, die SozialistInnen lesen sollten
China Miéville, dessen Perdido Street Station in der SF-Szene Furore machte und mit dem Arthur C. Clarke Award ausgezeichnet wurde, hat für Fantastic Metropolis 50 Werke der Sciencefiction und Fantasy zusammengestellt, die SozialistInnen lesen sollten. Die Werke auf seiner Liste seien nicht aufgrund ihrer literarischen Qualität ausgewählt worden - obwohl die meisten gut seien -, sondern wegen der darin - ob absichtlich oder nicht - eingebauten politischen Elemente, die von besonderen Interesse für SozialistInnen seien. Zu der Liste gehören u.a.:

  • Katherine Burdekins Swastika Night (1937): laut Miéville ein hervorragendes Beispiel des "Hitler siegt"-Subgenres der SF. Ungewöhnlich sei aber, dass es geschrieben wurde, als Hitler an der Macht war.
  • Octavia Butlers Survivor (1978): darin würde Genre-SF brilliant mit Themen des Kolonialismus und Rassismus verbunden.
  • Mary Gentles Rats and Gargoyles (1990): spielt in einer Stadt, die den "Feudalismus leicht" der meisten Genre-Fantasy untergräbt. Eine untypische Protagonistin erlebt Abenteuer in einer Stadtlandschaft aus Klassenkampf, Korruption und ethnischer Unterdrückung.
  • Charlotte Perkins Gilmans "The Yellow Wallpaper" (1892): erschreckende Erzählung, die zeigt, dass brutale Frauenunterdrückung genauso Teil "sorgender" Beziehungen wie offensichtlich misshandelnder sein kann.
  • Ursula K. Le Guins The Dispossessed (1974): das nach außen hin politischste ihrer Werke. Eine Untersuchung der Beziehungen zwischen einer reichen, ausbeuterischen kapitalistischen Welt und einer armen, fast unfruchtbaren (doch hoch-technisierten) kommunistischen.
  • Toni Morrisons Beloved (1987): ein hervorragendes Buch über Rassismus und Sklaverei.
  • Marge Piercys Woman on the Edge of Time (1976): eine "Chicano", die in einer Geistesanstalt gefangen ist, tritt in Kontakt mit einer Botin aus einer zukünftigen utopischen Gesellschaft, die aus einer "vollständigen feministischen Revolution" hervorgegangen ist.
  • Kim Stanley Robinsons Mars Trilogie (1992-96) (die mit Red Mars beginnt): das wahrscheinlich zentralste Werk der linken SF in den neunziger Jahren. Eine ausschweifende und durchdachte Untersuchung der Vielfalt sozialer Beziehungen, die schließlich zu einem revolutionären Wandel führen.
  • Mary Shelleys Frankenstein (1818):  Keine Warnung davor, mit Dingen herumzuspielen, die in Ruhe gelassen werden sollten (was eine reaktionäre anti-rationale Botschaft wäre), sondern ein Bestehen darauf, sich mit den Kräften, die man losgelassen hat, auseinanderzusetzten, wie auch, dass es keine den Menschen innewohnende Natur gibt, sondern nur eine sozial konstruierte.
Und noch viele andere spannende Bücher.
Q: Fantastic Metropolis 23.1.2002

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