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Erzählungen G
Novellette, geschrieben von Eleanor Arnason
Erstveröffentlichung: 1998; Originaltitel: The Gauze Banner; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
Kategorien:
Kurzbeschreibung:
Preise und Empfehlungslisten:
Kommentare, Besprechungen, u.ä.:
Kurzgeschichte, geschrieben von Charlotte Perkins Gilman (veröffentlicht unter dem Namen Charlotte Perkins Stetson)
Erstveröffentlichung: 1892; Originaltitel: The Yellow Wallpaper; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: 1. Gerlinde Kowitzke (Frauenoffensive), 2. Karl H. Schulz (Ullstein, Heyne), 3. Ursula-Maria Mößner (Suhrkamp); 4. Ruth Sander (Bastei-Lübbe); 5. Alfred Goubran (edition selene);
Deutsche Erstveröffentlichung: 1978 (Frauenoffensive, München)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuelle
Kategorien: Geistergeschichte, psychische Krankheit
Kurzbeschreibung: (nach [Carpenter, Kolmar, 1998])
Eine Frau, die unter einer nervösen Depression leidet, sieht eine andere Frau hinter der Tapete ihres Zimmers und versucht ihr zu helfen, zu entkommen.
Kommentare, Besprechungen, u.ä.:
- Online-Versionen:
- Charlotte Perkins Gilman (1913) Why I Wrote The Yellow Wallpaper. Zuerst veröffentlicht in The Forerunner (alternativer Standort)
- Robin Roberts (1995) The Yellow Wallpaper - Journey into Insanity. Critical Essay
- The "Yellow Wallpaper" Site
- American Literature Research and Analysis Web Site, zusammengestellt von Studierenden der Florida Gulf Coast University unter Leitung von Dr. Jim Wohlpart (Essays)
- Literature, Arts and Medicine Database (Anmerkungen von Felice Aul)
- Literature, Arts and Medicine Database (Anmerkungen von Jack Coulehan)
- The Yellow Wallpaper Homepage über einen auf der Geschichte basierenden Film
- Bettina Plesch (1995) Charlotte Perkins Gilman - The Yellow Wallpaper (1892). In: Bettina Plesch: Die Heldin als Verrückte : Frauen und Wahnsinn im englischsprachigen Roman von der Gothic Novel bis zur Gegenwart. Frauen in der Literaturgeschichte 4, Centaurus, Pfaffenweiler. S. 302-325, Zitat:
"Die Leistung von Gilmans namenloser Protagonistin besteht in der Erkenntnis ihrer Lage und in der Einsicht,
daß diese symptomatisch für fast alle Frauen in einer rigiden patriarchalen Gesellschaft ist. Die Unterscheidung,
die sie trifft zwischen oberem und unterem Muster der Tapete, entspricht der Differenz zwischen sogenannten
universalen, via Konvention akzeptierten Regeln, Verhaltensweisen und Bedeutungen einer Gesellschaft und denen
der innerhalb dieser Gesellschaft lebenden, aber stumm gehaltenen Gruppe - der Frauen.
Im Sinn von Gilbert und Gubar ist The Yellow Wallpaper die Geschichte der schreibenden Frauen, der
Befreiungsversuch aus beengenden Strukturen durch das wahnsinnige Double, das dennoch durch Scheitern bestraft
wird. Ihr "Heldinnentum" besteht in ihrem Willen, um ihre persönliche Unabhängigkeit, um ihre Vision
von sich selbst als Autorin zu kämpfen. [...]
Wahnsinn und Erkenntnis schließen sich nicht aus - nur nützt die Erkenntnis einer Wahnsinnigen wenig,
weil niemand sie ernst nimmt. Verrückt zu sein und eine Frau zu sein, bedeutet doppelt ausgeschlossen zu sein.
Als Wahnsinnige steht die Erzählerin außerhalb der Konvention der Mehrheit, und das heißt, daß
sie unerreichbar ist und ihre Einsichten unvermittelbar - und dies letztlich auch für Menschen, die sich
um mehr Verständnis bemühen als ihr Arzt und Ehemann John. Wahnsinn ist in diesem Sinn Kapitulation vor der Welt;
der Erzählerin droht dasselbe Schicksal wie Lady Audley - Irrenhaus bis ans Ende ihrer Tage [...]
The Yellow Wallpaper zeigt die Möglichkeiten und die Grenzen psychischer Kompensation. Die
Rebellion der Erzählerin hat keine Wirkung, denn sie richtet sich weder konsequent gegen John noch gegen die
Gesellschaft. Opfer des Angriffs ist lediglich die Tapete, die zum Teil ja Identifikationsobjekt für die
Erzählerin ist. Der Akt der Selbstbefreiung ist auch ein Akt der Selbstzerstörung."
- F. Brett Cox (1999) A Monument of Feminist Horror. Besprechung des Buches Julie Bates Dock (Hrsg.): Charlotte Perkins Gilman’s "The Yellow Wall-paper" and the History of Its Publication and Reception: A Critical Edition and Documentary Casebook in Science Fiction Studies 26 (1999) 77. Online wiedergegeben auf Science Fiction Studies-Website
- Yvonne Roth (2000) Gilman, Charlotte [Anna] Perkins.
In: Bernd Engler, Kurt Müller (Hrsg.) Metzler Lexikon amerikanischer Autoren. Metzler, Stuttgart. S. 276-278. Zitat:
"Sie solle ein möglichst häsliches Leben führen, mehr als zwei Stunden geistige Arbeit am Tag
strikt vermeiden und fortan niemals mehr einen Füller, Pinsel oder Bleistift berühren. Diese
ärztlichen Anweisungen sollten die damals in erster Ehe verheiratete Charlotte Perkins Stetson vor weiteren
schweren Depressionen bewahren. Zu deren Behandlung hatte sie sich nach der Geburt ihrer Tochter 1886 einer
'rest cure'-Therapie unterzogen, die das Motiv für G.s berühmteste Kurzgeschichte, 'The Yellow
Wallpaper' [...] werden sollte. Der Text präsentiert als Effekt einer solchen Therapie nicht die Heilung, sondern -
im Gegenteil - den völligen psychischen Zusammenbruch. Wie G. selbst, sieht sich auch die Protagonistin
der Geschichte nicht länger in der Lage, ihren Aufgaben als Mutter und Ehefrau nachzukommen, wird depressiv
und muß sich einer von der Therapie vorgeschriebenen völligen Ruhestellung und strengen Isolation
von der Außenwelt unterwerfen. Sie entflieht dieser als unerträglich empfundenen Passivität
jedoch, indem sie die Wahnvorstellung entwickelt, daß in dem Muster der Tapete ihres Krankenzimmers eine
Frau gefangen sei. Diese wird sukzessive zu ihrem alter ego, und die Befreiung dieser anderen Frau - und
damit letztlich auch ihrer selbst - wird zum alleinbestimmenden Antrieb ihrer Existenz. G. stellt in dieser Kurzgeschichte die zweifellos
düstere Diagnose, daß die einzig mögliche Befreiung für eine Frau, die sich in den
vorgefundenen Gesellschaftsstrukturen nicht zurechtfindet, die Flucht in den Wahnsinn ist. G. verdeutlicht, daß
diese Ausweglosigkeit solange fortbestehen wird, wie sowohl Medizin als auch die Gesellschaft auf repressiven und
autoritären Strukturen beruhen, die darauf ausgerichtet sind, weibliche Selbstbestimmung und
Handlungsfähigkeit zu beschränken."
- The Book Barn (Besprechung von "The Rev")
Kurzgeschichte, geschrieben von Vonda McIntyre
Erstveröffentlichung: 1973; Originaltitel: The Genius Freaks; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: Rainer Schmidt; Deutsche Erstveröffentlichung: 1981 (In: Vonda N. McIntyre: Feuerflut. Moewig Science Fiction 3551, Moewig)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuell keine
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The Genius Freaks (s. Die Genius Freaks)
?, geschrieben von Christa Nebenführ
Erstveröffentlichung: 2001 (In: El Awadalla, Helga Gartner, Barbara Neuwirth, Angelika Volst (Hrsg.) Female Science Faction. Promedia, Wien. S. 102-108); Sprache: Deutsch (Österreich)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuell keine
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Kurzgeschichte, geschrieben von Jessica Amanda Salmonson
Erstveröffentlichung: 1983; Originaltitel: The Ghastly Pond; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
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Kurzgeschichte, geschrieben von Anne Sexton
Erstveröffentlichung: 1978; Originaltitel: The Ghost; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
Kategorien: Geistergeschichte
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Kurzgeschichte, geschrieben von Sandra McDonald
Erstveröffentlichung: 2003 (Realms Of Fantasy August 2003); Originaltitel: The Ghost Girls of Rumney Mill; Sprache: Englisch ();
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
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Kurzbeschreibung: (aus Tangent Online)
In einer Geisterstadt, gibt es getrennte Geister-Jungen- und -Mädchengruppen. Die Jungen gehen in der
Farbfabrik um, die Mädchen in der Mühle. Diese
von den Kindern selbst aufrecht erhaltene Trennung wird in Frage gestellt, als der Junge Matthew auftaucht,
der darauf besteht, dass er ein Mädchen ist und deshalb ein blaues Kleid trägt.
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Kurzgeschichte, geschrieben von Ada Trevanion
Erstveröffentlichung: 1858; Originaltitel: A Ghost Story; Sprache: Englisch;
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
Kategorien: Geistergeschichte
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The Girl Who Was Plugged In (s. Das ein- und ausgeschaltete Mädchen)
?, geschrieben von Nalo Hopkinson
Erstveröffentlichung: 2000; Originaltitel: The Glass Bottle Trick; Sprache: Englisch (Kanada);
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
Kategorien:
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- Victoria Hoyle (2007) The James Tiptree Award Anthology 3. Strange Horizon 12.2.2007 (behandelt die in der Anthologie enthaltene Erzählung 'The Glass Bottle Trick' ausführlicher)
Novellette, geschrieben von Suzette Haden Elgin
Erstveröffentlichung: 1969; Originaltitel: For the Sake of Grace; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: Rudolf Mühlstrasser; Deutsche Erstveröffentlichung: 1974 (In: Walter Spiegl (Hrsg.) Science-Fiction-Stories 36. Ullstein 2000 3046, Ullstein, Frankfurt am Main)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuell keine
Kategorien: Sciencefiction,
begabtes Mädchen in einer patriarchalen Gesellschaft,
Geschlechtertrennung
Kurzbeschreibung:
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Die Goldfliegen-Lösung (weitere deutsche Titel: "Schmeißfliegen", "Operation Goldfingerfliege")
Kurzgeschichte, geschrieben von James Tiptree Jr.
Erstveröffentlichung: 1977; Originaltitel: The Screwfly Solution; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: Jürgen Langowski (Heyne); Deutsche Erstveröffentlichung: 1983 (Schmeißfliegen. In: Werner Fuchs (Hrsg.) Straße der Schlangen. Knaur Science Fiction 5761, Droemer Knaur)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuell keine
Kategorien: inhärente männliche Aggressivität,
Frau als das Andere
Kurzbeschreibung:
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- Online verfügbar bei Sci Fiction (englisch)
- Anne Koenen (1986) "Männer - die übelsten
Primaten der Erde" - Die Kurzgeschichten von James Tiptree jr.. In: Barbara
Holland-Cunz (Hrsg.) Feministische Utopien - Aufbruch in die postpatriarchale
Gesellschaft. Edition Futurum 9, Corian, Meitingen. S. 177-188.
Zitat (s. 185-186): "Sexualität des
Mannes drückt sich in Aggression aus, am konsequentesten von Tiptree
dargestellt in "The Screwfly Solution" [...]
Tiptree hinterfragt hier die Passivität
der Frauen, ihr Abfinden mit der Wehrlosigkeit, ihre Vereinzelung, das
Fehlen kollektiver Gegenwehr [...]
Aber selbst in ihrem Untergang läßt
Tiptree die Frauen noch über die Männer triumphieren: während
die Männer blind ihrem Untergang zusteuern, begreift die letzte Frau
die Zusammenhänge, erkennt den Grund für die Vernichtung - allerdings
zu spät."
- Asking the Wrong Questions 10.12.2006 (Blog von Abigail Nussbaum)
- Strange Horizons (Besprechung der Sammlung Her Smoke Rose Up Forever durch Adam Roberts, u.a. mit Kommentaren zu 'The Screwfly Solution')
Kurzgeschichte, geschrieben von Meghan B. Collins
Erstveröffentlichung: 1982; Originaltitel: The Green Woman; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
Kategorien: Märchen
Kurzbeschreibung:
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Kurzgeschichte, geschrieben von Bärbel Gudelius
Erstveröffentlichung: 1986 (In: Barbara Holland-Cunz (Hrsg.) Feministische Utopien - Aufbruch in die postpatriarchale Gesellschaft.
Edition Futurum 9, Corian, Meitingen. S. 43-59); Sprache: Deutsch;
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuell keine
Kategorien: Utopie
Kurzbeschreibung:
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Kurzroman, geschrieben von Ian MacLeod
Erstveröffentlichung: 1992; Originaltitel: Grownups; Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: /; Deutsche Erstveröffentlichung: /
Kategorien:
Kurzbeschreibung:
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Novellette, geschrieben von Irmtraud Morgner
Erstveröffentlichung: 1980 (In: Sarah Kirsch, Irmtraud Morgner, Christa Wolf: Geschlechtertausch - Drei Geschichten über die Umwandlung der Verhältnisse. Sammlung Luchterhand 315, Luchterhand, Frankfurt am Main. S. 25-63); Sprache: Deutsch (DDR);
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuell keine
Kategorien: Geschlechtswechsel (individuell und einmalig)
Kurzbeschreibung:
Kommentare, Besprechungen, u.ä.:
- Wolfgang Emmerich (1980) Nachwort. In:
Sarah Kirsch, Irmtraud Morgner, Christa Wolf: Geschlechtertausch - Drei
Geschichten über die Umwandlung der Verhältnisse. Sammlung Luchterhand
315, Luchterhand, Frankfurt am Main. S. 101-126. Emmerich berichtet, daß
Morgners Erzählung ursprünglich für Blitz aus heiterm
Himmel (1975), einer Anthologie mit Erzählungen von DDR-AutorInnen zum
Geschlechtertausch, geschrieben wurde, dann jedoch dafür nicht akzeptiert
wurde. Schließlich hat Morgner die Geschichte in ihren Roman Leben
und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura
(1974) eingebaut. Als eigenständige Geschichte wurde sie erst 1980
in der Luchterhand-Anthologie veröffentlicht. Zitat:
"Sie [Irmtraud Morgner] läßt
Valeska - als Männergestalt mit noch weiblicher Identität, weiblichem
Empfindungsvermögen - sexuellen Umgang mit Frauen, vor allem ihrer
schon lange vertrauten Freundin Shenja, haben und dabei eine Vielfalt und
Vollkommenheit der Empfindung kennenlernen, die ihr bislang, als Nur-Frau,
fremd war. In ihr steht gleichsam wieder das zweigeschlechtige Wesen in
seiner Harmonie auf, von dem Platons 'Symposion' erzählte: Die Natur
des Menschen ist geheilt. - Doch Morgners Utopie geht noch einen Schritt
weiter. Wider Erwarten wird Valeska, der Mann, von ihrem geliebten Liebhaber
Rudolf auch in ihrer männlichen Gestalt akzeptiert und sogar geliebt:
'Da erkannten sie, daß sie notfalls die Bilder entbehren konnten,
die sie sich voneinander und die andere für sie gemacht hatten. -
Da wußten sie, daß sie einander liebten. Persönlich -
Wunder über Wunder.' Das über das Wunder der biologischen
Geschlechtsumwandlung hinausgehende Wunder liegt in der Entdeckung der
Konsistenz der persönlichen Liebe, über die zufällige Gestalt
hinaus, im Verwirklichenkönnen der 'Vermenschlichung des Menschen'.
Daß Valeska während des Beischlafs doch wieder die männliche
Körperform ablegt, ist dann nur noch ein eher ironisch-augenzwinkerndes
Zugeständnis an die Praktikabilität der sexuellen Beziehung.
Es hebt die vorher erreichte lustvolle Erkenntnis - die, so Morgner, 'einfache
Lehre' - von der Haltbarkeit der Liebe jenseits der jeweiligen akzidentiellen
Körperlichkeit wieder auf."
- Inge Stephan (1983) "Daß ich Eins und
doppelt bin ..." - Geschlechtertausch als literarisches Thema. In: Inge
Stephan,Sigrid Weigel: Die verborgene Frau - Sechs Beiträge zu einer
feministischen Literaturwissenschaft. Literatur im historischen Prozeß
Neue Folge 6, Argument-Sonderband AS 96, Argument, Berlin. S. 153-175.
Zitat:
"Valeska hat sich verändert. Sie hat ihre enge weibliche Rolle
verlassen und männliche Verhaltens- und Denkweisen dazu gewonnen.
Aber auch ihr Mann Rudolf hat sich verändert. Er akzeptiert Valeska
als gleichberechtigten Partner, aber nur solange sie Mann ist. Im Unterbewußtsein
sehnt er sich wieder nach der alten Rollenverteilung zurück, weil
diese ja so bequem für ihn ist. Valeska kommt diesen Wünschen
zwar nicht nach, verhält sich aber außerordentlich vorsichtig
und behutsam. Sie nimmt Rücksicht auf ihren Mann, seine Gefühle
und die herrschenden Normen. Sie ist für eine Politik der kleinen
Schritte, nicht für den fundamentalen Umsturz der Geschlechterbeziehung.
Ihre Lehre ist, wie sie selbst sagt, pragmatisch: Die Frauen haben ihrer
Meinung nach - und das ist auch die Meinung der Autorin -, die Möglichkeit,
die Menschheit zu retten, indem sie vorsichtig, diplomatisch die Geschlechterbeziehung
reformieren, indem sie ihre enge, vorgezeichnete Frauenrolle verlassen,
gesellschaftliche Aufgaben übernehmen und weibliche Vernunft überall
dort zur Wirkung bringen, wo bisher männliche Irrationalität
geherrscht hat. Ganz explizit spielt die Autorin am Schluß der Erzählung
auf die Gefahr einer 'Selbstvernichtung der Menschheit' (S. 63) an, wenn
die gesellschaftliche Entwicklung weiter in den Händen der Männer
bleibt.
Irmtraut Morgners Hoffnung richtet sich auf
die Frauen, die ihrer Meinung nach gerade aufgrund traditionell für
weiblich gehaltener Eigenschaften wie Sensibilität, Mitleidsfähigkeit
etc. alle die Voraussetzungen mitbringen, die für eine friedliche
Entwicklung der Menschheit notwendig sind, wenn sie gewisse als männlich
geltende Eigenschaften und Verhaltensweisen wie Aktivität, Durchsetzungsvermögen,
Selbstbewußtsein etc. annehmen. Dann werden die Männer - so
die unausgesprochene Hoffnung Irmtraut Morgners -, [...] sich ebenfalls
verändern, nicht nur in den privaten Beziehungen, sondern auch in
ihrem Selbstverständnis als Männer. Die 'Vermännlichung'
der Frauen und die 'Verweiblichung' der Männer, das ist die Utopie,
die hinter der auf den ersten Blick anspruchslosen, witzig-ironischen Erzählung
von Irmtraut Morgner steht."
- Gertrud Lehnert (1994) Vom Geschlechtswechsel zur Androgynie.
In: Gertrud Lehnert: Maskeraden und Metamorphosen : als Männer verkleidete Frauen in der Literatur. Königshausen und Neumann, Würzburg. S. 304-331 (S. 315-317 zu "Gute Botschaft"). Zitate:
"Sexuelle Differenz als Bedingung persönlichen Glücks muß beibehalten werden, aber gesellschaftliche Ungleichheit
soll beseitigt werden. Dies wiederum kann nur durch zumindest vorübergehende Aufgabe der sexuellen Differenz
durch die Verwandlung in das überlegene Geschlecht, geschehen. Gleichzeitig ist dieser Geschlechtswechsel
als eine Ironisierung der Penisneid-Theorie zu lesen: Die Frau bemächtigt sich ganz nach Belieben des Phallus
als des Symbols für gesellschaftliche Macht schlechthin."
"Der Geschlechtertausch bedeutet [...] keine Demontage des Männlichen von innen - neue Erkenntnisse
gewinnt Valeska eigentlich nicht -, sondern sie ist ein erzieherisches Mittel, mit dem Gleichheit - aber nicht
Identität - erzwungen werden soll. Es werden nicht weibliche Tugenden gegen männliche Untugenden ins
Feld geführt, aber Krieg schlechthin wird als Folde des Geschlechterkampfs identifiziert. Ist der Geschlechterkampf
erst einmal unnötig, wird es auch keine Kriege mehr geben. Insofern illustriert die Erzählung gleichsam
Friedrich Engels' These von der Geschlechterdifferenz als der größten sozialen Schranke, die überhaupt
existiert, und sie gibt der optimistischen Hoffnung Ausdruck, daß diese Schranke überwunden werden kann -
wenn auch erst in der Zukunft."
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