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Frankenstein oder Der moderne Prometheus
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geschrieben von Mary Wollstonecraft Shelley
Erstveröffentlichung: 1818; Originaltitel: Frankenstein, or, The Modern Prometheus; Sprache: Englisch (Großbritannien);
Übersetzung: Heinz Widtmann (1912), Elisabeth Lacroix (1948), Christian Barth (1963), Karl Br. Leder und Gert Leetz (1968), Friedrich Polakovics (1970),
Ursula von Wiese (1983), Ralph Tegtmeier (1982?), Ana M. Brock (2006?)
; Deutsche Erstveröffentlichung: 1912 (W. Altmann, Leipzig)
Deutsche Ausgaben: aktuelle. Die vergriffenen Ausgaben sind nicht gelistet, es gibt unzählige davon. Jede gute Bücherei sollte das Buch haben.
Kategorien: Science fiction-Vorläufer
Kurzbeschreibung:
Kommentare, Besprechungen, u.ä.:
- Online-Versionen:
- Zeitgenössische Besprechungen bei der Erstveröffentlichung 1818, wiedergegeben auf Mary Wollstonecraft Shelley Chronology & Resource Site:
- The Belle Assemblée, or Bell's Court and Fashionable Magazine 17 (March 1818), S. 139-142
- The Edinburgh Magazine and Literary Miscellany: A New Series of "The Scots Magazine" 2 (March 1818), S. 249-253
- Blackwood's Edinburgh Magazine 2 (20 March/1 April 1818), S. 613-620. Geschrieben von Walter Scott
- The British Critic, n.s., 9 (April 1818), S. 432-438
- The Literary Panorama and National Register, n.s., 8 (1 June 1818), S. 411-414
- The Quarterly Review 18 (January 1818), S. 379-385
- Technology and its dangerous effects on nature and human life as perceived in Mary Shelley's Frankenstein and William Gibson's Neuromancer, Hausarbeit von Orlin Damyanov
- Mary Godwin's Remonstrance von N. Hilton
- Aija Ozolins (1975) Dreams and Doctrines: Dual Strands in Frankenstein. Science Fiction Studies 2 (1975) 2 (Issue 6)
- Aija Ozolins (1976) Recent Work on Mary Shelley and Frankenstein. Science Fiction Studies 3 (1976) 2 (Issue 9)
- Mary Shelley & Frankenstein-Site von Kim A. Woodbridge
- Literary Sources of Frankenstein von Kim A. Woodbridge
- Monster Wins Reader's Sympathy von Christy Knorr
- The "Birth" of a Monster von Kim A. Woodbridge
- Mary Shelley and the Desire to Acquire Knowledge: As Demonstrated in the Novel Frankenstein von Kim A. Woodbridge
- Arthur Paul Patterson (2001) Monsters at the Margin. Watershed Online Fall 2001
- Elizabeth Miller (2001) Dracula and Frankenstein. Watershed Online Fall 2001
- Brian W. Aldiss (1987) Der Milliarden Jahre Traum - Die Geschichte der Science Fiction. Bastei-Lübbe Taschenbücher 28160, Lübbe, Bergisch Gladbach. S. 48-58
Zitat (S. 55 f.): "... wird hier nahegelegt, daß Mary sich selbst als das Monster sieht. Wie das Wesen versuchte auch sie, ihren Weg in die Gesellschaft zurückzugewinnen. Indem sie mit Shelley davonlief, suchte sie Akzeptanz durch Liebe; aber der Schritt führte sie weiter von der Gesellschaft weg; sie wurde ein Wanderer, ein Fremdling, wie Byron, wie Shelley selbst. Der Tod ihrer Mutter im Kindbett muß in ihr das Gefühl hervorgerufen haben, daß sie, wie das Monster, von den Toten geboren sei. Hinter der Beredtsamkeit des Monsters liebt Marys Kummer. [...]
Wenn ich Frankenstein als einen entarteten Schöpfungsmythos bezeichnet habe, habe ich Ausdrücke im Roman mit sexuellen Untertönen im Sinn, wie z.B. "meine Werkstatt schmutziger Schöpfung", wenn Frankenstein von seiner geheimen Arbeit spricht. Marys Erfahrung lehrte sie, Tod und Leben als eng verflochten zu sehen. Die Wortwahl bei der Beschreibung ihres Traums ist bezeichnend. Sie sah "die schreckliche Vision eines ausgestreckt daliegenden Mannes, der sich durch die Energie einer mächtigen Maschine plötzlich zu regen begann und krampfhafte, unnatürliche Bewegungen vollführte". Der plastische Satz suggeriert sowohl ein verzerrtes Bild ihrer sterbenden Mutter, in jenen letzten ruhelosen Augenblicken, die oft in quälender Weise eher an eine Besserung als an ihr Gegenteil denken lassen, ebenso wie die Regungen des Geschlechtsverkehrs, insbesondere wenn wir uns erinnern, daß "mächtige Maschine" ein Begriff ist, der in der Pornographie auch als Synonmy für Penis steht.
Ellen Moers läßt in ihrer Studie über weibliche "Gotik" die Frage, wie ein junges Mädchen wie Mary auf eine so erschreckende Vorstellung stoßen konnte, nicht gelten (obwohl die Autorin selbst sie als erste aufwarf). Die meisten Schriftstellerinnen des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts waren Mädchen oder alte Jungfern, und viktorianische Tabus wirkten sowieso einer literarischen Auseinandersetzung mit dem Gebären entgegen. Mary durchlebte die Angst, Schuld, Niedergeschlagenheit und Sorge, die oft mit dem Gebären einhergeht, insbesondere in Situationen wie der ihren, unverheiratet, ihr Partner ein verheirateter Mann mit Kindern von einer anderen Frau, und an einem fremden Ort, von Schulden bedrängt. Nur eine Frau, nur Mary Shelley, hätte Frankenstein schreiben können."
- Zwei kurze Auszüge aus wissenschaftlichen Abhandlungen zu Frankenstein als Teil einer Zusammenstellung zum Schauerroman (The Female Gothic: An Introduction)
- On Mary Shelley, Frankenstein, ed. J. Paul Hunter. A Norton Critical Edition, Besprechung von Julia Paulman Kielstra
- Defining Romanticism: The Implications of Nature Personified as Female in Mary Shelley's Frankenstein and Charlotte Bronte's Jane Eyre, Essay von Alicia Renfroe
- Challenging Destiny (Besprechung von James Schellenberg) (englisch)
- Maria Porrmann (1989) Angst - Flucht - Hoffnung. Von der Gothic Novel zum utopischen Roman. In: Gnüg, Hiltrud; Möhrmann, Renate (Hrsg.) Frauen - Literatur - Geschichte. Schreibende Frauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Suhrkamp Taschenbuch 1603, Suhrkamp, S. 166-188.
In dieser literarischen Analyse geht Porrmann u.a. auch auf Frankenstein ein (S. 170-174). Zitate: "Der phantastisch-schreckliche
Vorgang selbst ist aber nicht Shelleys eigentliches Thema [...]. Stattdessen
geht es ihr jenseits aller phantastischen Konstruktion, um menschliche
Beziehungen."
"Unter empfindsamer Verkleidung verbirgt
sich eine patriarchalische Gesellschaft, deren wechselseitige Beziehungen
Warencharakter eignet. Es ist kein Zufall, daß Shelley im Frankenstein
beispielweise vorwiegend die Perspektive von drei männlichen Erzählern
wählt."
"Nur vordergründig bildet das auch
dem Trivialen eigene Schwarzweiß-Raster gut und böse, ihm zugeordnet
die glückliche Familie/die Liebenden und die im Leid zerbrechende
Familie, die liebliche und düster-heroische Landschaft, Sonne, Frühling,
Sommer und Sturm, Gewitter, Kälte, Nebel, [...] das Grundmuster des
Romans. Wesentlicher ist, daß die Figuren, nur notdürftig sentimental
verbrämt, eine rollenfixierte Gesellschaft spiegeln, die durch egoistische
Einzelinteressen geprägt ist. Besonders die als Ideal geschilderte
Gemeinschaft: die Familie, Hort des Friedens und der Harmonie, wird sichtbar
als zerbrechliche, der Außenwelt nicht standhaltende, sich von ihr
absondernde Idylle, als Konstrukt."
"Während verweigerte Gemeinschaft das
Monster erst zum Monster macht, verweigert sich der Mann selbstherrlich
genau dieser Gemeinschaft, der er sich - samt liebendem Weib - erst nach
getaner Arbeit und Selbstverwirklichung zuwendet."
- Literature, Arts and Medicine Database (Anmerkungen von Jack Coulehan)
- Raimund Borgmeier (1991) Das Monster und Women's Lib - Mary Shelleys Frankenstein aus feministischer Sicht. In: Therese Fischer-Seidel (Hrsg.) Frauen und Frauendarstellung in der englischen und amerikanischen Literatur. Tübinger Beiträge zur Anglistik 14, Gunter Narr, Tübingen, S. 45-64. Zitate:
"Auf der unmittelbaren Ebene liest sich Frankenstein kaum wie ein feministischer Roman. Man könnte
eher den Eindruck haben, als stamme das Werk aus der Feder eines reichlich chauvinistischen Autors. Eine
ausgesprochene Männerwelt wird dargestellt, alle entscheidenden Mitglieder der Romangesellschaft sind
Männer, Frauen spielen allenfalls untergeordnete Rollen."
"Als Frankenstein nach jahrelangen, unermüdlichen Anstrengungen endlich sein Ziel erreicht und den
künstlichen Menschen zum Leben erweckt hat, versucht er, entsetzt und frustriert über die abscheuerregende
Häßlichkeit seiner Kreatur, im Schlaf Vergessen zu finden, wird aber von einem schlimmen Traum
heimgesucht [...]
Im Unterbewußten des Protagonisten bestehen enge Verbindungen, die an der Oberfläche nicht direkt zutage
treten, sich durch den Traum jedoch machtvoll manifestieren. Die scheinbar geschlechtslose Welt, in der Frankenstein
seinen naturwissenschaftlichen Forschungen nachgeht, steht in Wirklichkeit in mittelbarem Bezug zu dem gestörten
Verhältnis, das er zu seiner Verlobten Elizabeth hat, und dieses wiederum wird maßgeblich geprägt durch
die Beziehung zu seiner verstorbenen Mutter. Das Monster - so kann man diesen Traum interpretieren - besetzt die
Position, die eigentlich Elizabeth im Leben Frankensteins zukommt. Elizabeth selbst, geistiges Ebenbild der Verstorbenen und
von dieser als 'Spielzeug' für ihren Sohn ausgesucht, hat bis zu einem gewissen Grad den Platz der Mutter inne.
Damit wird das harmonische Bild, das Frankenstein vorher von seiner Kindheit und der ihm zuteil gewordenen geradezu
idealen Elternliebe gezeichnet hat, nachträglich relativiert. So steht das Monster keineswegs nur für das durch die
Naturwissenschaft Machbare, sondern repräsentiert mit seiner Häßlichkeit verschiedene dunkle Stellen in der
Psyche und im Leben des Protagonisten. Und diese dunklen Stellen haben mit Frauen, d.h. mit seiner falschen Einstellung
zu Frauen, zu tun."
"Selbst wenn man nicht gehen will [...], an dem Monster weibliche Züge zu beobachten, und obwohl das Monster
stets grammatikalisch als ein maskulines Wesen behandelt wird, lassen sich in seiner spezifischen Situation der
Unterprivilegierung doch grundlegende Übereinstimmungen mit der Situation der Frau feststellen. Auch das Monster
wird in erster Linie ein Opfer des Prinzips, welches eine Kritikerin mit Bezug auf die Frauengestelten des Romans als
"survival of the fairest" bezeichnet, die übermäße oder ausschließliche Bewertung eines
Individuums nach dem Kriterium seiner äußeren Erscheinung."
- Günther Blaicher (1994) Mary Shelleys "Frankenstein": Text, Kontext, Wirkung. Vorträge des Frankenstein-Symposiums in Ingolstadt (Juni 1993). Stud. z. engl. Romantik 8, Die Blaue Eule.
- David Ketterer (1997) Frankenstein’s "Conversion" from Natural Magic to Modern Science—and a Shifted (and Converted) Last Draft Insert. Science Fiction Studies 24 (1997) 1 (Issue 71)
- Susanne Schmid (1998) Shelley, Mary Wollstonecraft.
In: Ute Hechtfischer, Renate Hof, Inge Stephan, Flora Veit-Wild (Hrsg.) Metzler-Autorinnen-Lexikon. Metzler, Stuttgart. S. 494-495. Zitat:
"Frankenstein ist zu lesen als Auseinandersetzung mit der 'männlichen' Romantik, in der Frauen
jegliche kreative Rolle abgesprochen wird. Das namenlose Monster, das nur Vater, nicht aber Mutter besitzt, ist
eng mit seinem Schöpfer, Viktor Frankenstein, verknüpft. Das Monster, das erst durch den Kontakt zur
Zivilisation bösartig wird, verkörpert den leidenden Menschen, der von einem verantwortungslosen
Schöpfergott abgelehnt wird. Auch kritisiert S. die männliche Naturwissenschaft, die Emotion und Intellekt
trennt. Auch kritisiert S. die männliche Naturwissenschaft, die Emotion und Intellekt trennt. Letztlich sind
sich Frankenstein und sein Produkt gar nicht so unähnlich, und die gegenseitigen Verfolgungsjagden vereinen
schließlich auch wieder ihre unterschiedlichen Aspekte. Frankenstein ist schnell ein Erfolg geworden
und zählt zu den großen Mythen des 19. und 20. Jh.s. Über 100 filmische Adaptionen zeugen von
der Faszination, die der Stoff auch heute noch ausübt."
- Robert W. Anderson (1999) Body Parts That Matter: Frankenstein, or The Modern Cyborg?. In: Women Writers
- Science Fiction Weekly (Besprechung von Mark Wilson) (englisch)
- James Meek (2001) Real-life Frankenstein who inspired SF. The Guardian 11.6.2001
- SparkNotes on Frankenstein von Rebecca Gaines
- Susan Kling, Noah Jonathan Alexander (2000) Mary Shelley and how her life relates to Frankenstein. A Research Report 14.4.2000. Babes in Space
- Ruth Bushi (2001) 'The author is become a creator-God' (Herder). The deification of creativity in relation to 'Frankenstein'. Wiedergegeben auf Website von Kim Woodbridge
- Sumeeta Patnaik (2001) Bibliographic Studies on the Work of Mary Shelley. Wiedergegeben auf Website von Kim Woodbridge
- Susan Coulter (2001) 'Frankenstein' - a cautionary tale of bad parenting. Wiedergegeben auf Website von Kim Woodbridge
- Tapia Martinez-Russ (2001) Who Created the First Monster?. Wiedergegeben auf Website von Kim Woodbridge
- Sumeeta Patnaik (2001) The Last Man and the Order of Society: How Mary Shelley's Use of the Plague Serves as a Metaphor for the Failure of the Utopian Ideal. Wiedergegeben auf Website von Kim Woodbridge
- Rachel Hyland, Kate Nagy (2002) Feminine Mystics. Phase Five Issue 1.1, 5 January 2002 (siehe Nr. 3)
- Alexander Pechmann (2003) Die Heimsuchungen der Mary Shelley.
Phantastisches und Biographisches im Werk der Autorin des "Frankenstein". phantastisch! Nr. 3, S. 6-9. Zitat:
"Heute gilt der Roman als erster echter Science Fiction-Roman der Weltliteratur, da er eine rationale,
wissenschaftliche Thematik in die romantische Schauerliteratur einführte. Das Buch enthält jedoch mehr
Moralphilosophie als Naturwissenschaft. Die Szene, in der Frankenstein seine Kreatur ins Leben ruft, ist
überraschend knapp - wenn man sie mit den zahllosen Filmversionen vergleicht. Mary Shelleys eigentliches
Thema ist das Versagen Frankensteins, sich um sein Geschöpf angemessen zu kümmern. Erst indem er es
abweist und verstößt macht er es zu seinem Feind.
Natürlich kann man das Buch als Warnung vor einer unethischen Wissenschaft verstehen. Es ist jedoch auch
ein autobiographisches Werk, in dem sich Mary Shelleys Beziehung zu Percy Shelley und zu ihrem Vater William
Godwin spiegelt. Beide sind unfähig, Verantwortung für ihr 'Werk' zu übernehmen. Sie scheitern
wie Victor Frankenstein als Väter und Erzieher ihrer Kinder."
- Ultraverse 1 (2004) 3 (Besprechung von William I. Lengeman III)
- Challenging Destiny (Besprechung von James Schellenberg)
- Literaturschock (Besprechung von Bernd)
- HysterikA (Besprechung von Jürgen Seibold)
- Perlentaucher.de mit Auszügen aus Besprechungen verschiedener Tageszeitungen, z.B. Die Süddeutsche Zeitung, FAZ
Verfilmungen:
- Mary Shelley's Frankenstein, Regie Kenneth Branaugh.
Besprechungen dazu:
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