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Eine Weile entfernt (weiterer deutscher Titel: Planet der Frauen)

Titelbild: Argument, Hamburg, 2000
geschrieben von Joanna Russ

Erstveröffentlichung: 1975;
Originaltitel: The Female Man;
Sprache: Englisch (USA);
Übersetzung: 1. Werner Fuchs (Knaur), 2. Hiltrud Bontrup basierend auf der Übersetzung von Werner Fuchs (Argument); Deutsche Erstveröffentlichung: 1979 (Knaur Science Fiction/Fantasy 709, Knaur, München)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuell keine

Kategorien: Sciencefiction, Utopie, Geschlechtertrennung, Frauengesellschaft, Parthenogenese, Lesben

Kurzbeschreibung: (Verlagsankündigung)
Die vier Protagonistinnen dieses Romans leben in vier Welten: Träumerin Jeannine, die erbitterte Joanna, die souveräne Zeitreisende Janet und Triebtäterin Jael treffen quer durch Zeit und Raum aufeinander ...
"Wer in zwei Welten lebt, führt zwangsläufig ein kompliziertes Leben", sagt Vittoria, Janets Frau. Die vier Protagonistinnen dieses Romans leben in vier Welten: Jeannine in einem Amerika, in dem der Zweite Weltkrieg nie stattfand, Joanna in den Siebziger Jahren unserer Wirklichkeit, Jael in einer nicht allzu fernen Zukunft, wo Männer und Frauen in einen ziellosen Krieg gegeneinander verzettelt sind, und Janet in Whileaway, einer futuristischen weiblichen Welt, in der Männer seit Äonen vergessen sind. Das Zusammentreffen dieser vier Frauen stellt all ihre Wirklichkeiten auf den Kopf - kühn, komisch und kribbelnd konsequent.

Preise u.ä.:

Kommentare, Besprechungen, u.ä.:

  • Buch des Monats November 2000
  • Edith Anderson (1982) Feministische Utopie. Sinn und Form 34 (1982) 2, 443-455. Zitate:
    "Der Name Whileaway deutet an, daß es sich um eine Gesellschaft handelt, die halb als Spiel erdacht wurde, um sich die Zeit zu vertreiben; aber es ist ein wehmütiges Spiel. Dies ist keine von den Utopien, die mit logischer Konsequenz oder auch nur einer Spur von Wahrscheinlichkeit gestaltet wurden. Sie ist eine Art Essay-cum-Memoire, "geschrieben mit Blut und Tränen", wie die Autorin sagt."
    "Jael ist die Wut der Autorin. Janet ist ihre Sehnsucht."
  • Annas (1986). Zitat S. 116-118: "The Female Man ist eine Studie des geschlechtsspezifischen Rollenverhaltens und der Feindschaft zwischen den Geschlechtern, einer Feindschaft als unausweichliches Resultat der Unterdrückung und Verleumdung einer Gruppe durch die andere. The Female Man ist ein Roman über einen Bewußtwerdungsprozeß und bietet als Lösung die Entwicklung aus der Passivität heraus zu einer möglichen Aktion an. Stilistisch ist The Female Man ein langes Gespräch (oder eine heftige Kritik, je nach Deiner politischen Einstellung) zwischen Joanna und unserer Welt. Joanna beschreibt, wie es ist, eine Frau in einem Männerberuf zu sein, sie beschreibt verschiedene frauenfeindliche Cocktailparty-Spiele wie "His Little Girl", und mit "Ain't it Awful" spricht sie den Leser direkt an. Die Welt der anderen drei Frauen existiert nur als Möglichkeit in Joannas Kopf; d. h., sie erlebt ihre eigene Welt und hat doch diese drei Personen verinnerlicht. Jeannine, Janet, Jael sind für Joanna alternative Antworten und Möglichkeiten, anders zu leben, und sie sind dies - mit einigen Veränderungen und zusammen mit Joanna - auch für uns. Die Antworten reichen von Jeannines passiver über Joannas aktiver, aber was Aktion anbelangt uneffektiver bis zur mörderischen Arbeit Jaels, einer Kämpferin für das 'Frauenland', die ihre Arbeit bewußt genießt. Etwas deutlicher: Jael ist eine mögliche Antwort auf Unterdrückung, aber nicht die, mit der Joanna, die Ich-Erzählerin, völlig einverstanden ist. Solch eine Entscheidung bedeutet nämlich, daß man seine ganze Energie dem Kampf gegen die Männer widmet und alles andere diesem Kampf unterordnet. Die utopische Vision von The Female Man ist nicht ins Frauenland plaziert und auch nicht in Jael, sondern in Whileaway und in die Person von Janet Everson.
    Es gibt keine Männer in Whileaway. Das ist der einfachste Weg, eine Utopie ohne eine geschlechtsspezifische Polarisation zu konstruieren. Deswegen gibt es dort auch keine Arbeitsteilung nach Geschlechtern [...]
    Die Polarisation der Geschlechtsrollen ist eine Art von Dualismus. Androgynie basiert auf der Vereinigung von Widersprüchen. In diesem Sinn kann die Welt von Whileaway, in dem jedem Individuum die uneingeschränkte Verantwortung und Handlung offensteht, als eine androgyne Welt angesehen werden. Eine Möglichkeit aus dem großen Spektrum der Darstellungsmethoden von Androgynie ist, ein Geschlecht abzusondern, um ihm eine uneingeschränkte Entwicklung als menschliches Wesen zu ermöglichen. Die Möglichkeit [...] ist oft in der Frauen-SF verwendet worden. Die scheinbare Extremität dieser Lösung liegt darin, daß die weiblichen Schriftsteller das große Problem zu bewältigen hatten, mit einem von Männern definierten Konzept der Androgynie zu arbeiten; dies hätte natürlich eine völlig neue Definition aus weiblicher Sicht und eine damit verbundene Extremität zur Folge. An einer Stelle zieht Joanna die zentrale Metapher von 'Symposion' - eine Definition von Liebe, nämlich den Versuch, sich selbst mit andern zu vereinigen, die mich wiederspiegeln und vervollständigen - heran, und sagt, daß der beste Weg, das zu besitzen, was wir nicht haben und deswegen brauchen und wünschen, ist, es selbst zu werden. Durch den Titel des Romans, The Female Man, verwandelt sich die Frau zum Mann. Dies ist jedoch nicht biologisch zu sehen, sondern bezieht sich auf die Verwandlung zum menschlichen Wesen, das sein eigenes Bewußtsein voll auslebt. Joanna schreibt: "Um Widersprüche zu überwinden, mußt du sie in deiner eigenen Person vereinigen." "
  • [Dietz, 1987, S. 110-114], Zitate:
    "Dieser Roman [...] grieft die Deformierung und Fragmentarisierung von Frauen in unserer gegenwärtigen Gesellschaftsordnung scharf an.
    Die vier Protagonistinnen [...] repräsentieren deshalb auch lediglich "Teilidentitäten dessen, was eine nicht entfremdete Frau sein könnte." [...]
    The Female Man weicht von vielen Traditionen der literarischen Utopie ab. So ist etwa die utopische Gesellschaft Whileaways nur in Umrissen skizziert. Der utopische Ort kann nicht als der eigentliche Fokus des Werkes beschrieben werden, dieser liegt vielmehr in der Darstellung der Interaktion der vier "Js": "The Young One, the Weak One, the Strong One" [...], wie sie die vierte, die männermordende Jael bezeichnet. Alle vier bilden zugleich eine einzige Persönlichkeit und sind doch auch repräsentativ für jede Frau [...]
    Indem das utopische Denken [dargestellt durch Janet aus Whileaway] zu einem Aspekt des Charakters der "Everywoman" gemacht wird, ist sie allgegenwärtig und real, andererseits aber auch 900 Jahre und eine Parallelwelt entfernt. Als Hoffnung bleibt nur eine Konvergenz der vier "Js", eine Hoffnung auf eine Zeit, in der die dargestellte Fragmentarisierung dem Leser unverständlich geworden sein wird [...]
    Letztendlich kommt es aber im Rahmen des Buches nicht zu dieser Verschmelzung der vier Wertepositionen. Vor allem Janet Evason, die Bürgerin des utopischen Whileaway, zeigt keine psychologische Entwicklung, wie auch ihre Gesellschaft statische Züge aufweist. Janet versäumt [...] aus ihren Erfahrungen auf der Erde Konsequenzen für Whileaway zu ziehen, und "dadurch ist Whileaway eben doch der unbefragt beste Ort - Eutopia - allen Vergleichen entrückt, das statische Utopia der Vergangenheit."
    Während die beiden "Extrempositionen", die utopische Janet und die kämpferische Jael, unverändert bleiben, wirkt sich die Begegnung mit ihren Alternativ-Ichs auf Joanna und Jeannine entscheidend aus. [...] So spiegelt The Female Man auch eine Phase in der Entwicklung der amerikanischen Frauenbewegung, in der individueller Bewußtseinswandel und radikaler Aktivismus als gleichwertige Optionen erscheinen."
  • Besprechung von Klaus W. Pietrek in Franz Rottensteiner, Michael Koseler (Hrsg.) (1989-1997) Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur. Loseblattsammlung. Corian, Meitingen, 5. Erg.-Lfg. Juni 1990. Zitat: "... strebt das Buch eine Synthese zwischen Feminismus als persönlich-politischem und Science-Fiction als literarischem Phänomen an. Nicht von ungefähr beginnen die Vornamen aller Protoganistinnen mit "J", den sie stellen nichts anderes dar, als verschiedene und doch einheitliche Genotypen in unterschiedlichen Zeitverläuften - eine Vorstellung, welche die Idee vom gespaltenen Bewußtsein zeitgenössischer Frauen transportiert. Mit der Entlassung der Figuren am Ende des Romans als zusammengehöriges und umfassendes Ich ist auch diese Spaltung - die kindliche, die starke, die unterwürfige Frau - aufgehoben. [...] Das formale und stilistische Experiment, das Joanna Russ auf der höchsten Stufe rhetorischen Risikos an diesem Buch durchgeführt hat, ist äußerst faszinierend, wenngleich die Verfremdungseffekte und abrupten Stil- und Perspektivenwechsel die Lektüre nicht vereinfachen."
  • Strange Words Review
  • Carmen Jud (1993) Planet der Frauen (Buchbesprechung). FAMA (Feministisch-theologische Zeitschrift) 9 (1993) 4, 13-14.
  • Susan Ayres (1995) The "Straight Mind" in Russ’s The Female Man. Science Fiction Studies 22 (1995) 1 (Issue 65)
  • Anger, Laughter, Silence, Transformations and Transgression in Women's Language (Explorations in the Fiction of Joanna Russ and the Dutch Film "A Question of Silence."). Essay von Keridwen N. Luis (auf Planet der Frauen wird etwa in der Mitte des Texts eingegangen). In: Feminista 1 (1997) 2
  • Why, Jeannine?, Thesis outline
  • Single-Sexed Utopias and Our Two-Sexed Reality, Essay von Susan Stone-Blackburn
  • Korrigierter Link 15.04.2007
  • Science Fiction Weekly, Issue 66
  • Maggi Keulen (1996) Portrait eine 'weiblichen Mannes': Joanna Russ' Science Fiction Roman 'The Female Man'. Frauen in der Literaturwissenschaft. Rundbrief 48: Science und Fiction, S. 86-90
  • Margo Axsom (1997) Frankenstein Evolves. In: Margo Axsom (1997) Border Crossings: The Emergence of Feminist Science Fiction as a Genre. (Chapter 3). Axsom diskutiert in diesem Kapitel vor allem The Female Man sowie Angel Island von Inez Haynes Gillmore.
  • Diskussion Februar 1999 im Rahmen der Book Discussion Group des Listserv Feministsf-Lit
  • Korrigierter Link 15.04.2007
  • Heather J. Hicks (1999) Automating Feminism: The Case of Joanna Russ's The Female Man. Postmodern Culture 9 (1999) 3
  • Anne Koenen (2000) Russ, Joanna. In: Bernd Engler, Kurt Müller (Hrsg.) Metzler Lexikon amerikanischer Autoren. Metzler, Stuttgart. S. 589-590. Zitat:
    "R.' einflußreichster Roman, The Female Man [...] ironisiert in seinem Titel den Anspruch, das generische "man" repräsentiere ebenfalls Frauen; die Spannung zwischen Adjektiv und Substantiv soll auf die weitgehende Unsichtbarkeit von Frauen in der westlichen Kulturgeschichte aufmerksam machen. Durchgängig verweist der Roman auf die geschlechtsspezifische Prägung von Sprache und literarischen Mustern. [...] Die Erzählstrategie der multiplen Persönlichkeit dient R. zur Hinterfragung stereotyper Definitionen einer vorgeblich natürchlichen Weiblichkeit und demonstriert, daß Weiblichkeit kulturell konstruiert ist."
  • Challenging Destiny (Besprechung von James Schellenberg) (englisch)
  • Carpe Librum (Besprechung von Michael Matzer)
  • ULTIMO auf Draht (Besprechung von Wolfgang Ueding)
  • Buchkritik.at (Besprechung von Alfred Ohswald)
  • Alien Contact (Besprechung von Uwe Salzbrenner)
  • GLBT Fantasy Fiction Resources
  • Carpe Librum (Besprechung von Michael Matzer zur Argument-Ausgabe)
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