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Die Memoiren einer Überlebenden

Titelbild: Fischer 5052, Frankfurt am Main, 1997
geschrieben von Doris Lessing

Erstveröffentlichung: 1974; Originaltitel: The Memoirs of a Survivor; Sprache: Englisch (Großbritannien); Übersetzung: Rudolf Hermstein; Deutsche Erstveröffentlichung: 1979 (Goverts Verlag, Frankfurt am Main)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuelle

Kategorien: Science Fiction, alte Frauen, post-apokalyptische Zukunft, magischer Realismus

Kurzbeschreibung: (Verlagsankündigung)
Inmitten von Chaos und Terror harrt eine ältere Frau, die namenlose Ich-Erzählerin, aus und registriert nüchtern den Zerfall. Eines Tages überantwortet ein Fremder ihr kommentarlos die halbwüchsige Emily. Sie nimmt das Mädchen auf, und die mitfühlende Beobachtung der zur Frau Heranwachsenden wird ihr zunehmend zum Lebensinhalt. Emily schließt sich einer der Kinderbanden an und verliebt sich in Gerald, den jugendlichen Anführer. Je mehr draußen die Mauern der alten Ordnung sich auflösen, desto häufgiger ist eine Wand in der Wohnung der Chronistin der Projektionsschirm für Bilder aus der Leidensgschichte einer - Emilys - Kindheit. Vision und Realität durchdringen sich vollends und endgültig, als am Ende Emily, Gerald und die Kinder seiner Horde durch diese Wand gehen, "aus dieser in sich zusammengefallenen kleinen Welt in eine Welt ganz anderer Ordnung".

Kommentare, Besprechungen, u.ä.:

  • Schütz-Güth, Gudrun (1984) Doris Lessing: The Memoirs of a Survivor (1974). In: Hartmut Heuermann, Bernd-Peter Lange (Hrsg.) Die Utopie in der angloamerikanischen Literatur : Interpretationen. Bagel, Düsseldorf. S. 310-327. Zitat: "Von feministischer Seite ist häufig die Männerfixiertheit der Lessingschen Heroinen sowie deren Sehnsucht nach dem 'wirklichen', dem vaginalen Orgasmus angefeindet worden [...]; 'frau' sieht darin eine Verachtung lesbischer Liebe [...]. Ebenfalls von feministischer Seite wird andererseits eine Entweiblichung, eine Entsexualisierung der Ich-Erzählerin in Memoirs beklagt [...]. Sicher steht diese nicht mehr vor der alten Beziehungsfolie 'Mann'. Sie hat kein Liebesverhältnis, spricht folglich nicht über irgendwelche Lebeserlebnisse, leidet noch nicht einmal darunter, kurz, der Mann ist in diesem Roman für diese Figur einmal nicht primäres Thema. Dabei ist die Liebe zum anderen Geschlecht übrigens gar nicht völlig ausgespart. Im einfühlenden Miterleben der kleinen und großen Liebeskrisen Emilys reflektiert die Ich-Erzählerin die Rolle der Frau. Liebe wird hier als Verursacherin einer weiblichen Initiativlosigkeit gesehen. Die Sehnsucht, mit dem geliebten Mann zusammen zu sein, entzieht, so die Überlegungen der Erzählerin, der Frau eigene Aspirationen. Im Zentrum bleibt das eine Verlangen [...]
    Für die Ich-Erzählerin selbst ist eine solche Liebesverstrickerung historisches Faktum, wohl auch schmerzhaft erinnerte Vergangenheit, momentan aber kein direktes Gegenwartsproblem. Statt die Loslösung von diesem ewigen Thema der Frauenliteratur auch einfach einmal als Befreiung zu empfinden, wird Doris Lessing nunmehr vorgeworfen, das Weibliche in ein global Menschliches überführt zu haben, um auf diese Weise der Konfrontation mit der Zerrissenheit des weiblichen Ich zu entfliehen."
  • Besprechung von Klaus W. Pietrek in Franz Rottensteiner, Michael Koseler (Hrsg.) (1989-1997) Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur. Loseblattsammlung. Corian, Meitingen, 2. Erg.-Lfg. August 1989. Zitat: "Doris Lessings apokalyptisches Gemälde über den Zusammenbruch unserer Zivilisation weist eine prophetische
    Titelbild: Fischer, Frankfurt am Main, 1981
    Potenz auf, die durchaus mit Orwells 1984 verglichen werden kann. Auflösung und Vernichtung entwickeln sich ganz selbstverständlich und in unmerkbar kleinen Schritten aus dem labilen Zustand der Gesellschaft, gleichsam als notwendiger Höhepunkt einer fehlerhaften Entwicklung, und nur durch eine Rückbesinnung auf das Menschliche, auf Mitgefühl und Verständnis für den anderen scheinen sie aufzuhalten zu ssin. Dies allerdings setzt eine Reifung voraus, die uns Doris Lessing an der Figur der Emily Cartright stellvertretend vorführt, eine Reifung, in deren Mittelpunkt der Mensch steht, um so abseits wirtschaftlicher oder politischer Faktoren exemplarisch im Individuum die Heilungschancen für eine kranke Gesellschaft aufzuzeigen."
  • Doris Lessing: A Retrospective, Informationen zur britischen Ausgabe und zur amerikanischen Ausgabe des Romans

Weiteres:
Der Roman wurde unter dem gleichen Titel 1981 verfilmt (Drehbuch von Kerry Crabe und David Gladwell. Bild (?): Walter Lassally. Regie: David Gladwell. SchauspielerInnen: Julie Christie, Christopher Guard, Nigel Hawthorne, Pat Keen, Leonie Mellinger).

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