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Titelbild: Zweite Reihe 2015, Argument, 1996

Frau am Abgrund der Zeit

geschrieben von Margy Piercy

Erstveröffentlichung: 1976; Originaltitel: Woman on the Edge of Time; Sprache: Englisch (USA); Übersetzung: Norbert Werner und Hertha Zidek; Deutsche Erstveröffentlichung: 1986 (Heyne Science Fiction 4286, Heyne, München)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuelle

Kategorien: Sciencefiction, Ökofeminismus, Utopie, Brutapparate, psychische Krankheiten, Neudefinition der Geschlechterrollen, neue Ehe- und Familienformen, egalitäre Gesellschaft, geschlechtsgerechte Sprache, Schwarze ProtagonistInnen

Kurzbeschreibung: (Klappentext)
Connie Ramos ist siebenunddreißig. Sie ist Puertoricanerin und lebt in den Slums von New York. Sie ist abgestempelt, an den Rand gedrängt, sozial deklassiert von einer Gesellschaft, die sie kurzerhand als nicht normal erklärt und ihr zunächst den Liebhaber nimmt, dann ihr Kind und schließlich sogar ihre Freiheit.
Als hilflose, unter Drogen gehaltene Patientin einer Nervenheilanstalt findet sie einen Weg aus der unerträglich gewordenen Wirklichkeit, indem sie telepathischen Kontakt aufnimmt mit einer Frau im 22. Jahrhundert, die ine einer Gesellschaft lebt, in der die Rollen der Geschlechter aufgegeben wurden zugunsten einer neuen, breiteren Konzepte der Familie, das jeden Menschen die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit erlaubt. Und schließlich gelingt es Connie, selbst an dieser Zukunft teilzunehmen.

Preise und Empfehlungslisten:

Kommentare, Besprechungen, u.ä.:

  • Sauter-Bailliet, Theresia (1984) Marge Piercy: Women on the Edge of Time (1976). In: Hartmut Heuermann, Bernd-Peter Lange (Hrsg.) Die Utopie in der angloamerikanischen Literatur : Interpretationen. Bagel, Düsseldorf. S. 349-370. Zitate:
    "Mattapoisett ist der Ort ungehemmter menschlicher Entfaltung, belehrt uns Piercy durch Luciente, die Connie in die entscheidenden Situationen gesellschaftlichen Zusammenlebens einweiht. Da die Belehrung wichtiger ist als die Handlung, wirken die Szenen gewissermaßen statisch. Die Handlung ihrerseits, die den Apolog veranschaulichen soll, ist weitgehend frei von Konflikten und neigt daher zur Idylle. Selbst die Kampfszene wird gedämpft. Da wir in unseren heutigen Lese- und Sehgewohnheiten eine Konfliktsituation erwarten, die Bewegung in die Handlung bringt, sich zum Höhepunkt ballt und entspannt, finden wir konfliktlose Schilderungen langweilig. Piercy entgeht der Gefahr, daß wir den Roman beiseitelegen, dadurch, daß sie die 'Idylle' über die 20 Kapitel verstreut in die realistische Handlung einbaut und sie so in Bewegung hält. Der Grund, warum wir den Konflikt - vielleicht nur den Konflikt? - als Bewegung erleben, mag nicht nur in der menschlichen 'Natur', sondern vielmehr in der Kulturgeschichte liegen, die vom Machtkampf bestimmt ist, der sich in literarischen Konventionen niedergeschlagen hat. [...]
    Romane handeln von Helden, die sich gegen eine über- oder untergeordnete Macht oder Person behaupten. Wo die Helden weiblichen Geschlechts sind, behaupten sie sich oder scheitern fast ausschließlich im Liebesbereich. Auch sie folgen dem Konfliktprinzip. Es ist bemerkenswert, daß Woman on the Edge of Time, mit einer Frau als Hauptfigur, keine Liebesgeschichte ist, und daß Piercy eine Heldin, die zur unterdrückten, ausgebeuteten Minderheit gehört, wählte. Gesellschaftlich machtlos kann Connie nicht aktiv handelnd in äußere Geschichte eingreifen, sondern sich lediglich individuell wehren und durch ihren Willen verweigern. Im Kampf des Establishments gegen sie soll ihr auch diese letzte Freiheit genommen werden. [...]
    Connie unterscheidet sich jedoch als Heldin einer realistischen Handlung z.B. von Bernhard Marx in Huxleys oder Winston Smith in Orwells Dystopie und anderen männlichen Helden in ihrer Auffassung von Freiheit und Individualität. Für sie ist nicht frei sein gegen, sondern mit anderen Menschen erstrebenswert. Ihre Auflehnung gegen das Establishment ist daher eine qualitativ andere."
    "Connie ist das Opfer eines Systems, das Macht über sie besitzt - auch die Macht, ihr Frausein zu definieren. Dollys Zuhälter, Connies Bruder, die Ärzte der Anstalt, sie alle drängen der Umwelt im Roman ihre Perspektive auf. Es ist eine Perspektive, der, weil sie die dominierende ist, geglaubt wird, auch wenn sie die Sachverhalte verdreht und fälscht. Gegen diese herrschende Perspektive, aus der Connies Gegenspieler innerhalb der Romanhandlung auftreten, setzt Piercy als Erzählperspektive des Romans die Connies ein. Wir sehen durch ihre Augen bzw. durch die der Erzählerin, die sich subjektiv mit Connie verbindet. Die Geschichte ist in der dritten Person erzählt, aber vom Standpunkt der Hauptfigur aus, was Piercy die Freiheit gibt, Erfahrungen einzubauen, die die reine Icherzählung, wäre sie auf Bewußtsein beschränkt, nicht wiedergeben könnte. Die sich mit Connie solidarisierende Erzählerin spiegelt ein weibliches Bewußtsein. Diese Erzählweise ist von größter Bedeutung für eine feministische Bewußtseinsveränderung. So werden übernommene Werte in Frage gestellt, aus einer anderen Richtung gesehen."
  • Titelbild: Zweite Reihe 2015, Argument, 1996
  • Annas (1986) (S. 123-125)
  • Besprechung von Ulrike Gottwald in Frank Rottensteiner, Michael Koseler (Hrsg.) (1989-1997) Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur. Loseblattsammlung. Corian, Meitingen, Grundwerk Februar 1989. Zitat: "Die beiderseitige Überzeichnung der dargestellten Welten und ihre Gegenüberstellung und wechselseitige Verflechtung machen deren Hauptcharakteristika sehr deutlich. Daß die Utopie nicht als fertig zu übernehmendes Staatsmodell, sondern als gedankliche Vorgabe zu werten ist, macht auch ihre Relativierung durch die Darstellung anderer als möglich gedachter Zukünfte am Schluß des Romans deutlich. Feministische Aspekte sind in dem Roman ebenfalls wichtig, aber mit den sozialkritischen Aussagen eng verwoben: Frauen werden hier als eine von vielen Gruppierungen von Unterdrückten dargestellt."
  • auch He, She It
  • M. Keith Booker (1994) Woman on the Edge of a Genre: The Feminist Dystopias of Marge Piercy. Science Fiction Studies 21 (1994) 3 (Issue 64)
  • Observations on Woman on the Edge of Time von Miriam Rosenthal
  • Literature, Arts and Medicine Database (Anmerkungen von Pamela Moore and Jack Coulehan)
  • Danny Yee's Book Reviews
  • Challenging Destiny (Besprechung von James Schellenberg) (englisch)
  • Carpe Librum (Besprechung von Michael Matzer)
  • Green Man Review (Besprechung von Michelle Erica Green)
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