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Titelbild: btb bei Goldmann, 1998

Der Report der Magd

geschrieben von Margaret Atwood

Erstveröffentlichung: 1985; Originaltitel: The Handmaid's Tale; Sprache: Englisch (Kanada); Übersetzung: Helga Pfetsch; Deutsche Erstveröffentlichung: 1987 (Claassen, Düsseldorf)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuelle

Kategorien: Dystopie, patriarchale Priesterherrschaft, gefährdete Fortpflanzung, nähere Zukunft

Kurzbeschreibung:
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts haben fanatische religiöse Sektierer im Norden der USA die sogenannte Republik Gilead installiert, deren oberstes Ziel die Sicherung der Fortpflanzung ist, nachdem die "europiden" Rassen seit Jahren einen drastischen Geburtenrückgang zu verzeichnen hatten. Perfide Machtstrukturen sollen die größtmögliche Ausbeutung der weiblichen Gebärfähigkeit gewährleisten; dazu gehören die totale Entmündigung der Frauen und ihre Klassifizierung in Hausfrauen, Gebärmaschinen und Dienerinnen. Wer nicht funktioniert oder sich widersetzt, wird zur "Unfrau" erklärt und in die Kolonien zur Giftmüllbeseitigung abgeschoben. Eine dieser jungen, zu Reproduktionszwecken rekrutierten Frauen, der sogenannten Mägde, die den männlichen Führungskräften von Gilead als Zweitfrau zugewiesen werden, ist Desfred, die Hauptfigur und Erzählerin des Romans. (Klappentext)

Preise und Empfehlungslisten:

Kommentare, Besprechungen, u.ä.:

  • Mervyn Rothstein (1986) No Balm in Gilead for Margaret Atwood. New York Times 17.2.1986 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
  • Mary McCarthy (1986) Book Review. New York Times 9.2.1986
  • Marina Warner (1986) Stepford revisited. The Guardian 20.3.1986
  • Ruth Cosstick (1986) The Handmaid's Tale. CM: A Reviewing Journal of Canadian Materials for Young People/Canadian Materials 14 (1986) 1
  • Theresia Sauter-Bailliet (1990) Dystopische Weltsichten, mit und ohne Hoffnung: Eine feministische Analyse moderner utopischer Romane von Burdekin, Orwell und Atwood. In: Arbeitsgemeinschaft Interdisziplinäre Frauenforschung u. -Studien (Hrsg.) Feministische Erneuerung von Wissenschaft und Kunst : Dokumentation des Symposiums "Frauenforschung und Kunst von Frauen" vom 16 bis 18. Februar 1989 in Bonn. Centaurus, Pfaffenweiler. S. 199-208
  • Study Guide to Atwood's 'The Handmaid's Tale' von Paul Brians von der Washington State University
  • Literatur im DeutschlandRadio. Der Beitrag von Denis Schenk behandelt dem Titel nach zwar den Roman Die Räuberbraut. Tatsächlich wird aber eher Atwoods Leben und Ansichten beschrieben sowie auf den Roman Der Report der Magd eingegangen.
  • Literature, Arts and Medicine Database (Anmerkungen von Pamela Moore)
  • Walter Udo Everlien (1990) Der Report der Magd. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.) Das Science Fiction Jahr #5 - Ausgabe 1990. Heyne Science Fiction & Fantasy 4640, Heyne, München. S. 543-548. Zitat:
    "[...] beschränkt sich Atwood nicht darauf, einen bestehenden Zustand der äußersten gesellschaftlichen Repression zu schildern; sie bemüht sich zudem, den Weg zu zeigen, auf dem die Anti-Utopie Realität werden kann. Dies allein macht nicht die außerordentliche Wirkung ihres Romans aus, wie auch die zahlreichen gegenwärtigen Requisiten wie Computer, Kreditkarten oder Sexshops die Eindringlichkeit des Textes zwar erhöhen, indem sie dem Leser die geringe Distanz zu seinem Alltag verdeutlichen, sie aber nicht erklären. Die inneren Strukturen der Republik Gilead sind denen in "1984" vergleichbar [...]
    Margaret Atwood ist sich im klaren, daß ein Roman kaum das Phänomen erklären kann, das im Mittelpunkt des "Reports der Magd" steht: den totalitären Staat. Mit seiner abwägenden, sehr sorgfältig eingesetzten Sprache und vermittelt über eine einfühlsam und nachvollziehbar geschilderte Protagonistin, nennt sie vielleicht nicht sämtliche Ursachen, mit einigen Erklärungen mag sie sogar irren. Doch gelingt ihr eines: zu verdeutlichen, daß eine rasche Verurteilung derer, die Adolf Hitler zugejubelt haben, zu wenig ist, um für die Zukunft Ähnliches zu verhindern. Viel zu wenig."
  • Susanne Vespermann (1995) Die ideologische Ausnutzung von Magie und Mythos in The Handmaid's Tale. In: Susanne Vespermann: Margaret Atwood : Eine mythokritische Analyse ihrer Werke. Beiträge zur Kanadistik 5, Wißner, Augsburg. S. 147-172. Zitat:
    "Unter dem Deckmantel hehrer Ziele wie der 'Erhaltung der Rasse' und 'Erfüllung einer biblischen Pflicht' dehnen die ideologisch verblendeten Herrscher [des Staates Gilead] ihre Macht aus. Daß sie bei alledem nur einem menschlichen Urtrieb folgen, nämlich dem Bestreben, Macht auszuüben, um eine Ich-Erweiterung zu erfahren, sich Teile der Außenwelt zu eigen zu machen und damit dem Todestrieb entgegenzuarbeiten, kann nur von Außenstehenden als Ideologiekritik angebracht werden. Interessanterweise wird zur Legitimation der politischen Vermassungsstrategien ein Mythos herangezogen, der die Ideologie durch das Evozieren uralter Bilder stützen und mit Sinn füllen soll. Der biblische Mythos von Rahel und Lea sowie die mythische Vorstellung davon, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren, um damit Gottes Willen zu erfüllen, bilden das mythische Substrat, die ewig-wahre Präfiguration, die helfen soll, die gesellschaftlichen Verhältnisse in Gilead zu stabilisieren. Obwohl dieser Mythos keine Bewußtseinslage sui generis ist, wird er vom Staat als unanfechtbare Wahrheit angepriesen, und die systematische Zerstörung des aufgeklärten Ichs trägt dazu bei, daß der Mythos schließlich als Glaubenskraft akzeptiert wird. [...] Die späteren Generationen werden es leichter haben, weil sie den Mythos als den ihren akzeptieren: sie werden weder Erinnerungen noch Textvergleiche, weder die sprachlichen noch die imaginativen Möglichkeiten haben, anderes zu denken und zu äußern. Die Bürger und Bürgerinnen Gileads steigen kraft politischer Manipulationen die Stufen der Bewußtsseins- und Kulturentwicklung wieder hinab, um in ein magisch-mythisches Bewußtsein zurückzusinken. [...] Wenn die Bibel in Gilead zur einzigen Möglichkeit wird, die Welt begreifbar zu machen, wird sie zur Glaubensstruktur, zum Mythos, zum alleinigen Sinnstifter. Wenn es keine Möglichkeiten mehr gibt, sich pluralistisch zu informieren, zu kommunizieren und Anregungen für die Vorstellungskraft zu finden, wird der logisch-rationale Geist des 20. Jahrhunderts paralysiert und regrediert auf tiefere Niveaus. Wenn die Sprache manipuliert und amputiert wird, leiden auch die geistigen Fähigkeiten der Sprachbenutzer [...]
    Selbst die Erzählerin, die grundsätzlich eine kritische Perspektive einnimmt und durch ihre Schilderung implizite Ideologiekritik an den Verhältnissen in Gilead übt, kann sich nicht vollends gegen den Einfluß der Macht regressiver Tendenzen wehren. Sie versucht immer wieder, sich auf ihr rationales, mentales Ich zu besinnen, um sich ihres Standortes und ihrer Identität bewußt zu werden und damit gegen die Raum- und Zeitlosigkeit einer magischen Usurpation anzukämpfen [...] Sie ortet die Position ihres Ichs in Raum und Zeit, um ihre mentalen Abwehrkräfte gegen archaische Vereinnahmung zu schützen - eine Anstrengung, die nicht immer gelingt [...]
    Beim Lesen der "Historical Notes" potenziert sich die Dringlichkeit der Warnung dadurch, daß die Grausamkeit der totalitären Unterdrückung mit all ihren Folgen und Voraussetzungen schon nicht mehr ernst genommen wird. [...]
    Die historische Nachlese des Epilogs macht einerseits deutlich, daß der Staat Gilead nicht dauerhaft überleben konnte; andererseits aber haben Pieixoto und seine Zuhörer offensichtlich nichts aus der Vergangenheit gelernt und befinden sich auf dem besten Weg, wieder in eine faschistische und frauenverachtende Gesellschaft zu steuern. [...] Währen Offred versucht, sich durch das Erzählen ihrer Geschichte, durch das Erfinden eines Zuhörers, ihrer Objekthaftigkeit zu entheben und sich als Person zu etablieren, wird ihr Anliegen durch das pseudo-akademische Geplänkel späterer Generationen verleugnet."
  • Challenging Destiny (Besprechung von James Schellenberg) (englisch)
  • Literature, Arts and Medicine Database (Anmerkungen von Pamela Moore)
  • ReadingGroupGuide.com, Fragen zu Handmaid's Tale
  • Rambles (Besprechung von Beth Derochea)
  • Lois Feuer (1997) The calculus of love and nightmare: The Handmaid's Tale and the dystopian tradition. Critique: Studies in Contemporary Fiction 38 (1997) 2, 83-95 (weiter mit Teil 2)
  • Anonym (1998) Reader's Companion to The Handmaid's Tale. Books@Random
  • Suzanne Grayson (2000) Feminist Issues in The Handmaid's Tale. A Research Report 15.3.2000. Babes in Space
  • Kimberly Yeager, Serenity Ramey (2000) The Handmaid's Tale. A Research Report 17.3.2000. Babes in Space
  • Talia Winch, Christen Miller (2000) A Society of Oppression. A Research Report 20.3.2000. Babes in Space
  • Kaavya Viswanathan () The Handmaid's Tale by Margaret Atwood. XPressions
  • Gisèle Baxter (1999) Notes on Margaret Atwood's The Handmaid's Tale
  • Korrigierter Link 15.04.2007
  • SparkNotes on The Handmaid's Tale von Selena Ward
  • Diskussion November 2001 im Rahmen der Book Discussion Group des Listserv Feministsf-Lit
  • Korrigierter Link 15.04.2007
  • SF Site November 2002 (Besprechung von Martin Lewis)
  • Simon McLeish's Home Page
  • Justine (?) (2002) The treatment of the female protagonists in Margaret Atwood's Bodily Harm and The Handmaid's Tale. Hausarbeit für English Literature Distance Learning Course The London School of Journalism, Mai 2002
  • Korrigierter Link 15.04.2007
  • Bookslut 9.12.2003 (Besprechung von Michael Schaub)
  • Korrigierter Link 15.04.2007
  • GLBT Fantasy Fiction Resources
  • Joyce Carol Oates (2006) Margaret Atwood's Tale. The New York Review of Books 2.11.2006
  • Neuer Link 02.01.2007
  • big dumb object (Blog)
  • Neuer Link 15.04.2007

Weiteres:

  • Der Roman wurde unter dem Titel Die Geschichte der Dienerin 1989 verfilmt (Die Geschichte der Dienerin. Daniel Wilson Prod., 1989. Drehbuch von Harold Pinter. Musik: Ryuichi Sakamoto. Bild: Igor Luther. Regie: Volker Schlöndorff. Hauptrollen: Natasha Richardson, Faye Dunaway, Aidan Quinn. Videokassette [VHS] (105 Min.), farbig). Allerdings sollen die Schwerpunkte des Films deutlich andere als die des Romans sein.
    Kommentare, Besprechungen, etc. zum Film:
  • Weiterhin wurde der Roman in einer Oper verarbeitet: Poul Ruders (1997-98) The Handmaid's Tale. Länge: 150 Minuten, Musik von Poul Ruders, Libretto (in Dänisch und Englisch) von Paul Bentley. Auftraggeber: Royal Danish Opera.
    Welturaufführung: 6. März 2000 in Kopenhagen an der Royal Danish Opera
    Kommentare, Besprechungen, etc. zur Oper:
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