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Titelbild: btb 72773, Goldmann, 2001

Canopus im Argos: Archive II: Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf (Nach den Berichten der Chronisten der Zone Drei)

geschrieben von Doris Lessing

Erstveröffentlichung: 1980;
Originaltitel: Canopus in Argos: Archives: The Marriages Between Zones Three, Four, and Five (As Narrated by the Chroniclers of Zone Three); Sprache: Englisch (Großbritannien);
Übersetzung: Manfred Ohl und Hans Sartorius;
Deutsche Erstveröffentlichung: 1984 (Fischer-Goverts, Frankfurt am Main)
Deutsche Ausgaben: vergriffene, aktuelle

Kategorien: Matriarchat, Utopie

Kurzbeschreibung: (Verlagsankündigung)
Die Zone Drei eines unbenannten Planeten im Sternenreich "Canopus" lebt in paradiesischem Frieden. Der Chronist der Zone Drei berichtet von der matriachalischen Ordnung, von Freundlichkeit und Liebe, Sorglosigkeit und materiellem Überfluß. Eines Tages erreicht Königin Al Ith, eine sinnliche, schöne Frau und Mutter mehrerer Kinder, unerwartet der Befehl der Herrscher von Canopus: Sie soll den König von Zone Vier, den kriegerischen Ben Ata heiraten. Die ganze Zone Drei trauert, denn jedem ist bekannt, daß Zone Vier ein dunkler, regnerischer Ort ist, der von unzivilisierten Kriegern bewohnt wird. Trauernd zieht Al Ith zu Ben Ata. Anfangs begegnen sich die beiden voll Mißtrauen, doch im Laufe der Zeit "zivilisiert" Al Ith ihren Gatten erst in der Erotik, dann im Gesellschaftlichen. Sehr zum Wohle der Bevölkerung von Zone Vier. Nach der Geburt seines Sohnes erreicht Ben Ata aber erneut ein Befehl der Canopus-Herrscher. Er soll die noch wildere Nomadenkönigin der Zone Fünf heiraten. Al Ith aber blickt sehnsüchtig nach denBergen der Zone Zwei ... "Die Ehe zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf", der zweite Band der Canopus-Serie ist der leichteste, der verspielteste im ganzen Zyklus: ein Märchen um die Auseinandersetzung zwischen Zivilisation und Barbarei.

Kommentare, Besprechungen, u.ä.:

  • Lee Cullen Khanna (1986) Wandel und Kunst in Frauenwelten: Doris Lessings "Canopus im Argos: Archive". In: Elaine Hoffmann Baruch, Ruby Rohrlich (Hrsg.) Weder Arkadien noch Metropolis - Frauen auf der Suche nach ihrer Utopie. Frauenoffensive, München. S. 214-224. (engl. Women in search of utopia (1984), Ü: Adelheid Ohlig). Zitat: "Der Roman ist in vielerlei Hinsicht paradox: Die einst glückliche Al.Ith muß zu ihrer Entwicklung ihre Autonomie verlieren; die friedliche und sinnesfreudige Zone Drei muß Unzufriedenheit und Kriegsvorbereitungen durchleben, damit sie überhaupt lebendig bleibt, und schließlich müssen auch die Lesenden in der Bindung an Al.Ith und Ben Ata erkennen, daß der Gesang, die Geschichte von Al.Ith am wichtigsten ist.
    [...] Die Beerdigungsstimmung dieser Hochzeit erinnert an Persephones Heirat mit dem Gott der Unterwelt. Ein Nachhall dieses Mythos, der Abstieg Inannas und sogar die Herabkunft Christi werden durch die symbolische Darstellung der Geschichte Al.Iths heraufbeschworen. [...]
    Die Einsichten und Erkenntnisse, die diese Geschichte von Abstieg und Wiedergeburt bergen, sind weit komplexer als die meisten Interpretationen christlicher Mythen. Christus steigt herab, leidet, stirbt und wird wiedergeboren, um die Menschheit zu retten, doch anscheinend nicht den Himmel selbst. Lusiks Erzählung von Al.Iths ähnlichem Herabsteigen und Leiden erlöst nicht nur die niederen und pervertierten Welten von ihrer Korruption, sondern auch Utopia von seiner Perfektion. Denn die Krankheit des Herzens in der lieblichen Zone Drei, so erfahren wir vom Sänger, ist die ruhige Selbstzufriedenheit. [...] Gegen Ende des Romans erkennen die Lesenden durch Lusiks Erzählung, daß eine lebendige Utopie Veränderung und Interaktion mit anderen Kräften braucht, um nicht zu einer nutzlosen Idee und unfruchtbar zu werden."
  • Besprechung von Wilhelm Gauger in Franz Rottensteiner, Michael Koseler (Hrsg.) (1989-1997) Werkführer durch die utopisch-phantastische Literatur. Loseblattsammlung. Corian, Meitingen, 4. Erg.-Lfg. Februar 1990. Zitate:
    "Der Grundgedanke aber, der sich beim Lesen immer klarer herausstellt, ist [...]: eine Utopie - hier Zone Drei - darf nicht statisch werden, sonst treten Selbstgefälligkeit und Langeweile ein; und eine Utopie kann (aus eben diesem Grund) künstlerisch überzeugend ohnehin nur in einer Krise dargestellt werden. Dabei ist das feministische Thema des Buches, die Konfrontation von matriarchaler und patriarchaler Lebensweise und Gesellschaft, zwar in seiner Einfachheit wirkungsvoll, aber nur eine Zwischenphase."
    "Gesellschaftliche Aufgaben sind nicht die letzten und höchsten, sondern ordnen sich geistigen, geistigem Leiden und geistiger Leidenschaft, unter. [...] Von Zone Fünf über Zone Vier bis hin zu den Zonen Drei und Zwei besteht eine Hierarchie, die von der Verhaftung an Materielles an über ethische Verpflichtung, dann selbstverständliche erotische und ästhetische Lebensfreude und Freiheit von Zwang bis zu geistiger Leidenschaft reicht. [...] Nach Marsha Rowe vertritt Zone Fünf die Empfindung, Zone Vier das Denken, Zone Drei das Fühlen und Zone Zwei die Intuition (in der Einteilung von C. G. Jung)."
    "Trotz allem kann eingewandt werden, daß die Wiedergabe subtiler seelischer Regungen ebenso wie die von Zeitabläufen in dem Roman allzu raffend und katalogisierend wirkt. Sprache und Anschaulichkeit sind seltsam stimmungslos, immer den allgemeinen Zielen und Reflexionen untergeordnet. Trotz der (nur beschriebenen, aber nicht evozierten) Leichtigkeit wirkt sogar Zone Drei freudlos und glanzlos, und man hat den Eindruck, bei aller Sympathie für sie liebe die Verfasserin ihre Gestalten sogar in Konflikten eine Spur zu wenig."
  • Shikasta 1998 - ein Rollenspiel zu den Canopus im Argos-Romanen, organisiert von Ben R. Edgerly
  • Am 10. Mai 1997 wurde in Heidelberg die Philip Glass-Oper Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf nach dem gleichnamigen Roman welturaufgeführt. Doris Lessing hat selbst das Libretto geschrieben.
  • Informationen auf der Website Doris Lessing: A Retrospective zu der Oper Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf von Philip Glass (Musik) und Doris Lessing (Text), basierend auf dem Roman von Doris Lessing
  • Informationen auf der Website GlassPages - Philip Glass on the Web zu der Oper Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf von Philip Glass (Musik) und Doris Lessing (Text), basierend auf dem Roman von Doris Lessing (mit Photos von der Aufführung)
  • Usch Kiausch (1999) Ein Gespräch mit Doris Lessing. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.) Das Science Fiction Jahr #14 - Ausgabe 1999. Heyne Science Fiction & Fantasy 5965, Heyne, München, S. 731-743. Zitate:
    "Kiausch: Warum haben Sie aus dem Canopus-Zyklus gerade den Roman Die Ehe zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf als Stoff für die neue Oper gewählt?
    Lessing: Das hat folgenden Grund: Philip sagte, er würde gerne eine Oper schreiben, in der Feste und viele Lieder vorkommen. [...] Als wir uns den Canopus-Zyklus vornahmen, ergab sich die Entscheidung wie von selbst. In dem Roman Die Ehe ... kommen zwei große Feste und sehr viele Lieder vor. In der Zwischenzeit habe ich fürs Libretto natürlich noch viele zusätzliche Liedtexte geschrieben. Bis dahin war mir gar nicht klar gewesen, wie sehr die Musik Bestandteil dieser Erzählung ist. Die Musik strukturiert sogar die Handlung, beispielsweise signalisiert das Schlagen der Trommel stets bestimmte neue Entwicklungen oder Ereignisse."
    "Kiausch: Gestern abend [Lesung von Doris Lessing am 8. Mai 1997 im Theater der Stadt Heidelberg] haben Sie einige Hintergrundinformationen zu dem Roman Die Ehe ... und dem Canopu-Zyklus gegeben. Dabei haben Sie auch erwähnt, welche Rolle bei Ihnen die Namensfindung für die Protagonisten spielt ...
    Lessing: Ja, wenn ich SPACE FICTION oder andere nicht-realistische Romane oder Erzählungen schreibe und Namen für meine Protagonisten suche, dann benutze ich ein persisches Nachschlagewerk. Zum Teil deswegen, weil kaum jemand Persisch spricht und die Namen folglich auch nicht wiedererkannt werden."
    "Kiausch: Als ich den Roman "Die Ehe ..." jetzt, nach einigen Jahren, noch einmal las, wirkte er ganz anders auf mich als beim ersten Lesen. Sehr viel ironischer. Die Gegenüberstellung der militaristischen, hierarchischen Macho-Gesellschaft von Zone Vier und der schöngeistigen Frauen-Friede-Freude-Eierkuchen-Gesellschaft von Zone Drei wirkte in ihrer Überzeichnung fast satirisch auf mich. [...] Hat sich Ihre eigene Haltung zu diesem Roman während der letzten zehn Jahre verändert? Überspitzt gesagt: War's damals eine Botschaft, und heute wirkt's als Satire?
    Lessing: Ja, manche Szenen sind voller Komik, höchst ironisch, finden Sie nicht? Zu Ihrer Frage: Nein, meine eigene Haltung dazu hat sich nicht verändert. Es ist ja ein Mythos, eine Fabel. Irgendwie zeitlos. [...]
    Archetypisch ist [...] die weibliche Zone, die Zone Drei, angelegt, sie verkörpert einen Archetypus weiblich-utopischer Vorstellungen. Die Frauen gehen dort freundlich, sanft und friedfertig miteinander um, sie sind nett zueinander, alles läuft problemlos ab - es ist eine sehr weibliche Utopie. Sie ist, denke ich, wahrscheinlich dadurch begründet, daß sie so stark mit dem kontrastiert, was die meisten Frauen tatsächlich erleben, und das schließt auch den Umgang miteinander ein. [...]
    Die männliche Zone, die Zone Vier, ist schlicht und einfach die Karikatur eines männlich-militaristischen Landes. Auf heute übertragen, könnte es etwa Saddam Husseins Irak sein. Aber die Zone Vier steht für jegliche Art von militaristischer Gesellschaft. Es könnte also auch das alte Preußen sein."
  • Doris Lessing: A Retrospective, Informationen zur britischen Ausgabe und zur amerikanischen Ausgabe des Romans
  • Bibliotheka Phantastika (deutsch)
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