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Monique Wittig (1935-2003), Frankreich
Geboren und aufgewachsen im Elsaß.
In den fünfziger Jahren studiert Wittig an der Université de Paris. 1964 erscheint ihr erstes Buch Opoponax, für das sie den renommierten Literaturpreis Médicis erhält. Von 1968 an organisiert sie die
Separatistengruppe Feministes Revolutionnaires mit. Sie nimmt auch an einem Protest teil, bei denen sie versuchen,
am Grab des unbekannten Soldaten in Paris einen Kranz mit der Aufschrift "an die unbekannte Frau des Soldaten" niederzulegen. 1970 wird sie die Sprecherin der Feministes Revolutionnaires.
1969 erscheint Wittigs zweiter Roman Les Guérillères (Die Verschwörung der Balkis).
1970 veröffentlicht sie in der Pariser Anarcho-Zeitschrift L'idiot international mit drei anderen Frauen den Text "L'an zero".
1973 erscheint Le corps lesbien. Wittig ist desillusioniert von den Trennung zwischen dem psychoanalytisch orientierten Feminismus und dem Feminismus der sozialen Reform und zieht sich aus vielen Gruppen zurück.
1976 veröffentlicht sie Brouillon pour un dictionnaire des amants und geht dauerhaft in die USA.
1977 kollaboriert Wittig mit Simone de Beauvoir und Christine Delphy, einer sozialistischen Ökonomin, bei der Zeitschrift Questions feminists.
1986 promoviert Wittig in den Sprachwissenschaften.
Von 1990 bis zu ihrem Tod Anfang Januar 2003 arbeitet Wittig als Hochschullehrerin in der Abteilung Women's Studies an der University of Arizona at Tuscon.
Q: u.a. Tributseite von Stephanie Mazzarella,
Arizona Daily Star 7.1.2003
Webseiten zu Monique Wittig:
Interviews mit und Artikel von und zu Monique Wittig:
- Monique Wittig (1981) One is not born a woman. Wiedergegeben aus Feminist Issues, 1 (1981) 1 (Winter) auf Pagine Lesbiche
- Renate Stendhal (1986) "Ich bin keine Frau". Emma Nr. 3/1986. S. 38-39. Zitate:
"1979 erklärte Monique Wittig in einer
aufsehenerregenden Rede auf der Simone-de-Beauvoir-Konferenz in New York
öffentlich: 'Ich bin keine Frau'."
"Im November 1970 vom 'Nouvel Observateur'
nach ihrem Feminismus befragt, antwortet sie: 'Frauen? Kennen wir nicht.
Sie sind eine Erfindung des Patriarchats. 'Die Frauenbewegung'? Gibt es
nicht. Das ist eine Erfindung der Presse. Wir sind nicht die Bewegung.
Wir sind keine Gruppe. Wir sind ein Phänomen."
"... die späten Übersetzungen
von 'Le CorpsLesbien' und 'Les Guérillères' waren nicht in
der Lage, die Kraft und Radikalität von Wittigs Sprache wiederzugegeben.
Sie [die kleinen Frauenverlage] saßen auch noch einem politischen
Mißverständnis auf, indem sie versuchten, Wittig für ihre
Ideologie von der Mystifizierung der Frauen zu vereinnahmen. Was sich am
krassesten in der Titelmanipulation ausdrückt: 'Les Guérillères'
erschien auf Deutsch unter dem Titel 'Die Verschwörung der Balkis',
'Le CorpsLesbien' unter dem Titel 'Aus deinen zehntausend Augen, Sappho'."
- Renate Stendhal (1986) Sich selbst lieben - Ein Gespräch in Paris. Emma Nr. 3/1986. S. 40-42. Zitate:
"Emma: Was hältst du vom 'weiblichen Schreiben'?
Wittig: Wir sollten, meine ich, vorerst
auf keinen Fall von 'weiblichem Schreiben' sprechen. Was meine Verwendung
der Sprache betrifft, so ist das Thema, oder besser der Anlaß oder
das Material von jedem meiner Bücher die Arbeit an einem Pronomen.
In 'Opoponax' ist es das Pronomen 'on' [...], in den 'Guérillères'
[...] das 'elles' [...] und in 'Le CorpsLesbien' [...] und 'j/e' - 'i/ch'."
"Wittig: 'Sich selbst und ihrergleichen
lieben' ... 'Gleich' kann viele Bedeutungen haben, aber in dem Fall, der
uns beschäftigt, geht es wohl um 'gleich' im Sinne Platos - im Gegensatz
zu dem 'anderen'. Also wieder um die lesbische Liebe. Frau kann ihrergleichen
nur lieben, wenn sie sich selbst liebt. Und das ist, glaube ich, die Quelle
dessen, was du Würde nennst. Es scheint mir schwierig, zu schreiben,
ein Thema, ein Subjekt zum Leben zu erwecken, wenn du kein Bewußtsein
deiner selbst hast und dich nicht selbst zu Leben erwecken kannst, wenn
du dich selbst nicht liebst. Du kannst nur verführen, was du gern
hast - im Gegensatz zur heterosexuellen Welt, wo 'man' verführt, um
zu dominieren. Hier heißt verführen: lieben. Und die 'Hölle
der Erniedrigung' ist, glaube ich - es gibt kein französisches Wort
dafür - die Unerträglichkeit zu sehen, wie unterdrückt,
herabgesetzt, ausgebeutet, verstümmelt, getötet wird, was wir
lieben: uns selbst und unsergleichen. Wie sollte das zu ertragen sein ?!"
"Die Geschichte von der Eliminierung der
Männer steht eigentlich im Zentrum all dessen, was ich geschrieben
habe. In 'Opoponax' kommen nur wenige Männer vor, weil ich versucht
habe, ein Subjekt zu schaffen, das soziologisch eine Frau, aber universell
und lesbisch geprägt ist. In den 'Guérillères' ist dann
die Rede von einem Krieg, in dem die weiblichen 'Sies' die Oberhand behalten
und es keine männlichen 'Sies' mehr gibt - wo 'elles' also weltumfassend
wird. In 'Le CorpsLesbien' kommt kein einziges männliches 'Sie' mehr
vor. Und in dem 'Wörterbuch' [...] vergnügten wir uns damit,
ein 'wegzauberndes Pulver' zu erfinden, das das schmerzlose Verschwinden
der Feinde bewirkt."
- Sabine Schrader (2001) Monique Wittig: Von Frauen, die keine sind. In: Petra Metz/Dirk Naguschewski (Hrsg.): Französische Literatur der Gegenwart. Ein Autorenlexikon. Beck, München
- Sabine Schrader (2002) Monique Wittig. In: Renate Kroll: Metzler Lexikon Gender Studies Geschlechterforschung. Metzler, Stuttgart
- FSF&F-News 8.1.2003: Monique Wittig gestorben
- Claire Devarrieux (2003) Mort de Monique Wittig. L'auteure du roman "Opoponax", "lesbienne radicale", s'était exilée aux Etats-Unis. Libération 7.1.2003
- L. Timmel Duchamp (2003) In Memoriam: Monique Wittig. Fantastic Metropolis 25.1.2003
- Alice Schwarzer (2003) Je ne suis pas uns femme. Die Avantgardistin Monique Wittig ist tot. Emma März/April 2003. S. 13.
Romane:
Die Verschwörung der Balkis (1969)
Virgile, Non (1985)
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