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Jutta Heinrich (1940- ), Deutschland (West)
Geboren in Berlin und aufgewachsen in Bayern. Heinrich war die älteste von fünf Töchtern in einer großbürgerlichen
Familie. Ihr Vater war Jurist, ihre Mutter ausgebildete Malerin. Nach der mittleren Reife arbeitete Heinrich in
verschiedenen Berufen und Branchen: als Betriebsleiterin im väterlichen Betrieb (Furnier- und Sperrholzfabrik),
als Sekretärin, Unternehmerin, Handelsvertreterin, Imbißbesitzerin, Arbeiterin. Ab 1972 studierte sie
zuerst Sozialpädagogik an der Fachhochschule und dann ab 1975 Germanistik und Literaturwissenschaft an der Universität Hamburg.
Seit 1975 ist sie freie Schriftstellerin.
1977 erschien Heinrichs erster Roman Das Geschlecht der Gedanken. Neben Romanen hat sie auch
Theaterstücke geschrieben. Heinrich hat zahlreiche Stipendien und Literaturpreise erhalten. Sie lebt
in Hamburg und in Niedersachsen.
Q: Heinrich (1998),
Scholz (1998)
Interviews mit und Artikel zu Jutta Heinrich:
- Adolf-Ernst Meyer (1995) Jutta Heinrich
im Gespräch mit Adolf-Ernst Meyer. In: Adolf Ernst Meyer: Sturm und
Zwant - Schreiben als Geschlechterkampf. Klein, Hamburg, S. 75-142. Zitat:
"Meyer: In zwei oder drei Ihrer Texte wird
auch eine Enttäuschung über die Frauenbewegung deutlich, daß
sie nicht gehalten hat, was sie versprochen hat, ja, daß sie nicht
einmal gehalten hat, was möglich gewesen wäre.
Heinrich: Ich muß richtigstellen,
daß die Enttäuschung über eine Bewegung bei mir nicht angebracht
ist, weil ich immer eine engagierte Randständige war. Aber die sichtbare
Rückschrittstendenz bei den Frauen entsetzt mich schon, weil an eine
gesellschaftliche Veränderung überhaupt nicht zu denken ist im
Moment. Eingeleitet worden ist das sicherlich durch die verhängnisvolle
Neigung der Frauen, sich in Übereinkunft verändern zu wollen,
und nicht in der zwangsläufigen Fremdheit. Die Angst vor der Abkopplung
'ich bin anders als du' hat u.a. bewirkt, daß auch die Texte immer
identifikatorischer wurden.
Meyer: Identifikatorischer mit wem?
Heinrich: Mit sich selbst, was bedeutete,
daß genau der Schmerz, der aus dem Körper und der Psyche heraus
und politisch und gesellschaftlich verändernd wirken sollte, zurückkehrte
in den Körper und dort sein Unwesen trieb. Das spiegeln die vielen
Körperbücher wieder. Im Grunde genommen kann man sagen, es sind
immer weniger poetische, intelligente, herausfordernde Bücher geschrieben
worden, statt dessen immer mehr Bücher, wo die Körper miteinander
in Kontakt stehen. Das hat das Ende mit eingeleitet. Bei Lesungen spüre
ich schon lange, daß versteckte Texte, fremde, psychische Vorgänge,
die nicht sofort nachvollziehbar sind, überwiegend Unwillen auslösen.
Ich versuche immer wieder auch zu vermitteln, daß das Leben voller
Verzweiflung, Schmutz, Dreck und Elend ist, und wenn die Frauen glauben,
daß ihr Leben an der Leine eines Mannes geführt gelebt werden
kann, dann müssen sie es auch bitte leben, aber dann erwarte ich auch,
daß Frauen ihre Männer mehr lieben. Jetzt leben Mann und Frau
sozusagen als Rollenmißgönner miteinander, als unkämpfende
Kämpfende voreinander. Die Liebe haben sie aufgegeben, gleichzeitig
aber zu einem großen Teil auch die Liebe zu ihrem eigenen Leben."
- Anonym (1998?) Hinab in die Wichtigkeit, sich einen Schnürsenkel zu binden. Jutta Heinrich über verschiedene Arten der Unterhaltung, Feminismus und den eigenen Werdegang. GrauZone Nr. 16
- Hannelore Scholz (1998) Heinrich, Jutta.
In: Ute Hechtfischer, Renate Hof, Inge Stephan, Flora Veit-Wild (Hrsg.) Metzler-Autorinnen-Lexikon. Metzler, Stuttgart. S. 221-222.
Romane:
Unheimliche Reise (1998)
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