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Doris [May] Lessing (1919- ), Großbritannien
In Kermansha, Persien, als Doris May
Taylor geboren. Die englischen Eltern waren arm. 1924 zog die Familie auf
eine kleine Farm in Süd-Rhodesien, dem heutigen Zimbabwe. Doris Taylor
besuchte 1926-34 eine katholische Schule in Salisbury, brach jedoch
ihre Schulausbildung bereits mit 14 Jahren ab. Sie arbeitete zuerst als
Au-Pair (1934-35) und dann als Telefonistin und Büroangestellte (1937-39).
1939 heiratete sie Frank Charles Wisdom und bekam zwei Kinder. 1943 wurde
die Ehe geschieden, die Kinder blieben beim Vater. Während der Kriegsjahre
engagierte sich Lessing in der "Southern Rhodesian Labour Party", der einzigen
südafrikanischen progessiven Partei der damaligen Zeit, sowie in einer
kleinen marxistischen Gruppe, die sich vor allem mit der Rassenfrage beschäftigte.
Über diese politische Arbeit lernte sie ihren zweiten Ehemann, Gottfried
Lessing, kennen, den sie 1945 heiratete. Lessing bekam ein weiteres Kind,
Peter, das nach der Scheidung 1949 bei ihr blieb. Lessing arbeitete dann
als Stenotypistin (1946-48) und Journalistin für den Cape Town
Guardian (1949), bis sie 1949 mit ihrem Sohn nach London ging, wo sie
bis heute lebt (Stand 1986).
Lessing unternahm in den folgenden Jahren
zahlreiche Reisen, u.a. in die UdSSR. Als beim 20. Parteitag der KPdSU
die Stalinistischen Verbrechen enthüllt wurden, trat sie aus der englischen
kommunistischen Partei aus. Ende der 50er Jahre engagierte sich Lessing
aktiv in der Bewegung für nukleare Abrüstung und war Mitherausgeberin
der späteren New Left Review, einer renommierten Zeitschrift
der Neuen Linken.
1950 erschien in England Lessings erster
Roman (Afrikanische Tragödie), der ein großer Erfolg
wurde. 1962 veröffentlichte sie den Roman Das Goldene Notizbuch,
für das sie für den Nobelpreis nominiert wurde. Von Lessings
zahlreichen Werken sind die folgenden der SF (oder der Phantastik) zuzurechnen:
der 1971 erschiene Roman Anweisung für einen Abstieg zur Hölle,
der Roman Der Sommer vor der Dunkelheit (1973), der Roman Die
Memoiren einer Überlebenden (1974), die fünf Bände der
Pentalogie Canopus im Argos: Archive (1979-1983) und der Roman The
Fifth Child (1988).
Lessing wurde mit zahlreichen Literaturpreisen
und Ehrendoktorwürden ausgezeichnet, u.a. dem Maugham Award (1954).
Pseudonym: Jane Somers. Q: u.a. Holland-Cunz
(1986)
Webseiten zu Doris Lessing:
Interviews mit und Artikel zu Doris Lessing:
- Joyce Carol Oates (1973) A Visit with Doris Lessing. Online wiedergegeben aus Southern Review, v9, 1973, S. 873-882
- Maureen Howard (1975) Doris Lessing Considers Her World and the World. New York Times 8.6.1975 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
- Lesley Hazelton (1982) Doris Lessing on Feminism, Communism and 'Space Fiction'. New York Times 25.7.1982 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
- Herbert Mitgang (1984) Mrs. Lessing Addresses Some of Life's Puzzles. New York Times 22.4.1984 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
- Edwin McDowell (1984) Doris Lessing Says She Used Pen Name to Show New Writers' Difficulties. New York Times 23.9.1984 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
- Linda Leith (1986) Canopus in Limbo: Mona Knapp. Doris Lessing. Besprechung des Buchs von Mona Knapp in Science Fiction Studies 13 (1986) 2. Online wiedergegeben auf Science Fiction Studies-Website
- Don Swaim (1988) Audio Interview with Doris Lessing. Wiedergegeben auf Wired for Books
- Usch Kiausch (1990) Ein Gespräch mit Doris Lessing. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.) Das Science Fiction Jahr #5 - Ausgabe 1990. Heyne Science Fiction & Fantasy 4640, Heyne, München. S. 127-130. Zitat:
"Kiausch: Sie selbst haben realistische
wie phantastische Romane geschrieben. Wie sehen Sie deren Verhältnis
zueinander?
Lessing: Ich glaube nicht, daß die
eine Form besser ist als die andere. Aber die Phantastische Literatur ist
tatsächlich die eigentliche Tradition der Menschheit. Der "Realismus"
ist ja erst rund 400 Jahre alt. Das vergessen wir scheinbar immer wieder.
Interessant, wenn Leute sagen, sie können einfach keine Phantastik
lesen. Das bedeutet doch, daß sie etwas verloren haben, was wir früher
alle besaßen. Früher war "Literatur" ja das Erzählen von
Geschichten, von Mythen und Märchen. Aber die realistische Tradition
hat bei manchen Menschen die Vorstellungskraft begrenzt, so daß sie
Metaphern und Mythen einfach nicht mehr verstehen. Sie können damit
nicht umgehen."
- Doris Lessing (1992) Language and the Lunatic Fringe. New York Times 26.6.1992 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
- Phyllis Sternberg Perrakis (1992) Touring Lessing's Fictional World. Besprechung der Bücher Margaret Jeanette King. Doris Lessing und Jean Pickering. Understanding Doris Lessing in Science Fiction Studies 19 (1992) 56. Online wiedergegeben auf Science Fiction Studies-Website
- Diana Jean Schemo (1994) At The Guggenheim With: Doris Lessing; A Portrait Unwinds, As in Life. New York Times 2.11.1994 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
- Phyllis Sternberg Perrakis (1995) Dreaming Fathers, Practical Mothers, and Lessing's Fiction. Besprechung des Buchs Margaret Moan Rowe: Doris Lessing in Science Fiction Studies 22 (1995) 66. Online wiedergegeben auf Science Fiction Studies-Website
- Lynda Scott (1996) Writing the Self: Selected Works of Doris Lessing. Deep South 2 (1996) 2 (Winter, 1996)
- Susan Hill (1997) Doris Lessing (Radio Interview). Bookshelf 14-Jan-1987, Radio 4. Wiedergegeben vom BBC Archive
- Lynda Scott (1997) Similarities Between Virginia Woolf and Doris Lessing. Deep South 3 (1997) 2 (Winter, 1997)
- Dwight Garner (1997) A Notorious Life. The Salon Interview.
- Natasha Walter (1997) Out from the shade. The Guardian 13.10.1997
- Harvey Blume (1998) Doris Lessing: Hot Dawns (Interview). Boston Book Review 1. Februar 1998. Online wiedergegeben auf Doris Lessing Website
- Eveline Kilian (1998) Lessing, Doris (geb. Doris May Taylor).
In: Ute Hechtfischer, Renate Hof, Inge Stephan, Flora Veit-Wild (Hrsg.) Metzler-Autorinnen-Lexikon. Metzler, Stuttgart. S. 299-300. Zitat:
"Prägend für ihr Schreiben waren zum einen ihre Erfahrungen in der britischen Kolonie Südrhodesien
(heute Zimbabwe), wo sie 24 Jahre lebte, bevor sie sich 1949 in Großbritannien niederließ, zum andern
ihre politische Arbeit in einer marxistischen Gruppe in Rhodesien in den 40er Jahren und in der Southern Rhodesia Labour
Party in den Kriegsjahren sowie ihre Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei, aus der sie allerdings 1956,
nach der russischen Invasion Ungarns, wieder austrat. Zu den Themen, die in ihren Werken im Vordergrund stehen,
gehören die Rassenproblematik, die Geschlechterbeziehungen, die Rolle des Schriftstellers und die schwierige
Beziehung zwischen Sprache und Wirklichkeit. In den verschiedensten Konstellationen beleuchtet sie das Verhältnis
von Individuum und Gemeinschaft, von sozialer Rolle und persönlicher Identität, von Ganzheit und Fragmentarisierung,
von Mensch und Natur. Sie orientiert sich zunächst an der Struktur des realistischen Romans, von dem sie allerdings
in ihrem späteren Schaffen zugunsten von experimentelleren Formen und Ausflügen in den Bereich der
Science-fiction abwich."
- Jonah Raskin (1999) Doris Lessing (Interview). Online wiedergegeben aus The Progressive, Juni 1999
- Usch Kiausch (1999) Ein Gespräch mit Doris Lessing. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.) Das Science Fiction Jahr #14 - Ausgabe 1999. Heyne Science Fiction & Fantasy 5965, Heyne, München, S. 731-743.
- Elke Heinemann (2000) "Mugabe ist ziemlich verrückt": Ein Gespräch mit der britischen Schriftstellerin Doris Lessing über die politischen Vorgänge in Simbabwe. Frankfurter Rundschau 15. Mai 2000
- Microsoft® Encarta® Online Encyclopedia (2003) Lessing, Doris ® 1997-2003 Microsoft Corporation. (englisch)
- Barbara Ellen (2001) 'I have nothing in common with feminists. They never seem to think that one might enjoy men'. The Observer 9.9.2001
- Kathryn Hughes (2001) Golden notebooks. The Observer 9.9.2001
Romane:
Die Memoiren einer Überlebenden (1974)
Canopus im Argos: Archive II: Die Ehen zwischen den Zonen Drei, Vier und Fünf (Nach den Berichten der Chronisten der Zone Drei) (1980)
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