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Angela [Olive Stalker] Carter (1940-1992), Großbritannien

Geboren als Angela Olive Stalker in Eastbourne, Sussex. Der Vater war Journalist. Die Kriegszeit verbringt sie bei ihrer mütterlichen Großmutter in Yorkshire. Mit Hilfe eines Stipendiums besucht sie eine Privatschule in Balham. Nach ihrem Schulabschluß 1958 geht sie als Volontärin zum Croydon Advertiser in Surrey. 1960 heiratet sie Paul Carter und gibt kurz darauf ihren Beruf auf. Von 1962 bis 1965 studiert sie englische Literatur an der University of Bristol, mit dem Schwerpunkt mittelalterliche Schriften. Nach ihrem B.A. 1965 bleibt sie in Bristol. Ein Jahr darauf veröffentlicht sie ihren ersten Roman. Mit ihrem zweiten Roman Das Haus des Puppenmachers (1967) gewinnt sie den John Llewelyn Rhys Memorial Prize, einen der wichtigeren britischen Literaturpreise, und mit ihrem nächsten Roman Several Perceptions (1968) den Somerset Maugham Award. Helden und Schurken (1969) war Carters erster "Sience Fiction"-Roman.
Ende der sechziger Jahre trennt sich Carter sowohl von ihrem Mann als auch von ihrem Verleger. Sie geht 1969 nach Japan, um mit einem Japaner zusammenzuleben. Den Aufenthalt finanziert sie zu Beginn mit dem Maugham Award-Preisgeld und später mit journalistischen Arbeiten über Japan. Sie bleibt bis 1972 in Japan. 1972 wird Carters Ehe geschieden. Danach zieht sie nach Bath.
Von 1976 bis 1978 arbeitet sie als 'Arts Council for Great Britain'-Professorin für kreatives Schreiben an der University of Sheffield. 1977 zieht Carter nach London und lebt dort mit Mark Pearce zusammen. Sie wird Mitglied des Advisory Board des neugegründeten Verlags Virago, dessen Ziel es ist, Literatur von Frauen wiederzuveröffentlichen. 1980 geht sie für ein Jahr als Gastprofessorin für kreatives Schreiben an die Brown University in Providence, Rhode Island, USA. 1983 bekommt Angela Carter einen Sohn, Alexander Pearce.
1984 ist sie Writer-in-Residence an der University of Adelaide, South Australia. Im gleichen Jahr erscheint der Film Die Zeit der Wölfe (1984) von Neil Jordan, der auf einer von Carters Kurzgeschichten basiert, die 1979 in ihrer Erzählsammlung Blaubarts Zimmer veröffentlicht worden war. Diese Geschichte hat Carter für das Drehbuch erweitert, das schließlich mit dem 1985 British Science Fiction Association Award ausgezeichnet wird. Außerdem wird ihr Roman Nächte im Zirkus veröffentlicht, der 1985 Co-Gewinner des James Tait Black Memorial Prize wird.
Von 1984 bis 1987 unterrichtet Carter in Teilzeit an der University of East Anglia in Norwich. 1991 erscheint ihr letzter Roman, Wise Children.
1992 stirbt Angela Carter an Lungenkrebs.
Q: u.a. Sage (1994), ISFDB Bibliography

Webseiten zu Angela Carter:

Interviews mit und Artikel und Bücher von und zu Angela Carter:

  • Angela Carter (1971) High Gothic in the Outback (Rezension von A Dutiful Daughter von Thomas Keneally). New York Times 12.9.1971 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
  • Angela Carter (1981) Sexualität ist Macht : die Frau bei de Sade. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg. (Taschenbuchausgabe 1983, rororo 7761, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg). (engl. The Sadeian Woman, 1979, Übersetzung: Lieselotte Mietzner)
  • Sonia Mikich (1985) Die Wölfin - Interview mit Angela Carter. Emma Nr. 5/1985. Zitat:
    "Für sie waren die 60er Jahre so etwas wie die Stunde Null. Zwar lehnte sie jegliche Mystifizierung menschlicher Beziehungen und Verhaltensweisen ab ('Das Produkt eines absoluten und überzeugten Materialismus'). Aber bei allem Skeptizismus gab es bei ihr 'den verräterischen Zwang, charmant zu sein, vor allem, wenn ich den Jungens an die Hoden ging, egal wie unbewußt. Als Mädchen litte ich an einer Kolonisierung des Geistes.'
    Die Frauenbewegung rückte einiges zurecht, Kontext und Perspektiven ihres Schreibens bekamen schärfere Konturen. In England war und ist das Etikett 'Feministin' weder ein Plus- noch ein Minuspunkt im Kulturbereich, behauptet sie und ist einigermaßen erstaunt, daß das Wort hierzulande immer noch/schon wieder einer Beschimpfung gleichkommt. 'Ich möchte mich als feministische Schriftstellerin bezeichnen, weil ich in jeder anderen Beziehung feministisch bin. Man kann diese Haltung nicht auf bestimmte Lebensbereiche beschränken."
  • Angela Carter (1986) Christmas Books: Is Santa Claus Really St. Nicholas Or Just Some Jolly, Beert Old Elf? New York Times 7.12.1986 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
  • Lynda Richardson (1986) Angela Carter, 51, British Writer Of Fantasy With Modern Morals. New York Times 19.2.1992 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
  • Salman Rushdie (1986) Angela Carter, 1940-92: A Very Good Wizard, a Very Dear Friend. New York Times 8.3.1992 (Zugang erst nach (kostenloser) Registrierung möglich)
  • A. Maak (1987) Angela Carter. In: R. Imhof, A. Maak (Hrsg.) Der englische Roman der Gegenwart. Tübingen
  • Ute Thiemann (1989) Angela Carter. In: Joachim Körber (Hrsg.) (1984-1998) Bibliographisches Lexikon der utopisch phantastischen Literatur. Loseblatt-Sammlung, Corian-Verlag, Meitingen. 20. Erg. Lfg. Dezember 1989.
  • Angela Carter (1990) Nichts heilig. dtv 11165, Dt. Taschenbuch-Verl., München (engl. Nothing sacred, )
  • Lorna Sage (1992) The soaring imagination. Obituary of Angela Carter. The Guardian 17.2.1992
  • Jeff VanderMeer (ca. 1992) A Personal Appreciation (written immediately after news of her death). Online wiedergegeben auf Scriptorium
  • Anna Katsavos (1994) An Interview with Angela Carter. The Review of Contemporary Fiction, Fall 1994, Volume 14.3, wiedergegeben auf Center for Book Culture.org
  • Transcript einer Diskussion der Sammlung Fire Works von Angela Carter, im Rahmen der Website der Vorlesung 'Post Modern Speculative Fiction: Fe(M)ale' von Len Hatfield, Frühjahr 1996
  • Transcript einer Diskussion der Erzählung 'The Loves of Lady Purple' von Angela Carter, im Rahmen der Website der Vorlesung 'Post Modern Speculative Fiction: Fe(M)ale' von Len Hatfield, Frühjahr 1996
  • Isolde Neubert-Köpsel (1998) Carter, Angela Olive (geb. Stalker). In: Ute Hechtfischer, Renate Hof, Inge Stephan, Flora Veit-Wild (Hrsg.) Metzler-Autorinnen-Lexikon. Metzler, Stuttgart. S. 85-86. Zitate: "Ihre respektlose künstlerisch-experimentelle und kulturpolitische Artikulation stieß im literarischen Establishment auf Ablehnung. Andererseits erreichte sie innerhalb der jungen, alternativen Literatur Großbritanniens mit ihrer Infragestellung überlieferter Realitätsauffassungen und traditioneller Rezeptionsgewohnheiten fast Kultstatus."
    "Ist es z.T. auch schwierig, zu ihren Fiktionen Zugang zu finden, so bietet ihr umfangreiches essayistisches und journalistisches Schaffen den Standpunkt einer Kunsttheoretikerin und Kulturpolitikerin, die ihre Kritik an den kulturellen Zeitzeichen klar und differenziert artikuliert. Wie sie [...] betont, sieht sie ihre Aufgabe v.a. in der Demythologisierung falscher, zu Unterdrückung führender Mythen: 'I am all for putting new wine in old bottles, especially if the pressure of the new wine makes the old bottles explode.' "
  • Jeff VanderMeer (2001) Angela Carter (1940-1992) (Essay). Scriptorium 26.10.2001
  • Serena Trowbridge (2003) A Look at Angela Carter. S1ngularity 1.0 15.3.2003

Romane:
Helden und Schurken (1969)
Das Buch Eva (weiterer deutscher Titel: In der Hitze der Stadt) (1977)
Nächte im Zirkus (1984)

Erzählungen:
'The Donkey Prince' (1970)
Blaubarts Zimmer (Sammlung) (1979)
Schwarze Venus (Sammlung) (1985)

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